Pervers – vom Verhältnis zwischen Kindern und Tieren

Vor kurzem waren wir wieder mal vor einem Zirkus, der sich mit der Präsentation von 80 Tieren brüstet, unter denen sich vier Elefanten, zwei Giraffen und ein Flusspferd befinden. Solche Zirkusprotestaktionen sind manchmal etwas problematisch, da es öfter zu gewalttätigen Übergriffen seitens der Zirkusmitarbeiter_innen kommt. So laufen auch gegen diesen Zirkus aktuell zwei Verfahren und eine dritte Strafanzeige wegen mehrfacher Verstöße gegen das Tierschutzgesetzt wurde erst kürzlich gestellt. Und dennoch kommen Besucher_innen und v.a. Kinder, wenn auch zunehmend weniger. Aber warum?

Kindliche Faszination & Tierliebe

Die Stunden bei solchen Mahnwachen lassen Zeit zur Beobachtung. Da stehen nun diese Tiere in ihren Gattern, während im Zelt die erste Hälfte der Vorstellung läuft. In der sich anschließenden Pause wird über Lautsprecher bekannt gegeben, dass sich das Publikum nun die Tiere ansehen darf und so strömen dann hauptsächlich Familien mit jungen Kindern auf die Gatter zu.

Paul Shepard und andere Psycholog_innen haben es schon in den 70er Jahren bemerkenswert gefunden, welche wichtige Rolle Tiere in der Kindheit spielen (1). Nicht nur sind Kinderbücher und -zimmer voll mit Tieren, sondern gerade auch die Begegnung mit lebenden Tieren übt eine gewaltige Faszination auf Kinder aus.

Abnormales wird als Norm verkauft

Diese Freude und Faszination war deutlich zu spüren bei den Kindern, die stolz den Giraffen Äste mit Blättern reichten, welche diese dann abzupften und fraßen. Diese auf den ersten Blick nette Situation birgt jedoch einen zentralen Baustein des karnistischen Systems in sich. Hier werden Kinder in frühen Jahren mit positiven Erlebnissen daran gewöhnt, dass es normal ist, Tiere hinter Gittern zu halten und dass sie von Fütterung durch den Menschen abhängig sind. In einer solchen Situation wird die intrinsische Tierliebe von Kindern genutzt, um Tierausbeutung und -versklavung zu normalisieren.

Verdrehte Werte

Der Fachbegriff für so etwas ist “Perversion” – eine Umdrehung von Werten. So mordet die sizilianische Mafia im Namen von “Ehre”, “Familie” und “Freundschaft”. Eigentlich schöne Werte, die aber in der mafiösen Praxis zum Gegenteil pervertiert werden. Auch George W. Bush ließ 2001 Afghanistan im Namen der “Freiheit” angreifen und stellte diesen Wert damit ebenso auf den Kopf.

Die traurigen Gefühle beim Anblick dieser perversen speziesistischen Konditionierung von Kindern überwogen eindeutig. Doch zum Glück konnten wir bei der Mahnwache einige Besucher_innen überzeugen, doch lieber etwas anderes zu machen als in den Tierzirkus zu gehen. Tut es und gleich!

(1) Paul Shepard. Thinking Animals: Animals and the Development of Human Intelligence. University of Georgia Press, 1978.



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