Pferde im Fasching – Gefahr für Ausgebeutete und Ausbeutende

Alle Jahre versetzt die Faschingszeit die deutsche Gesellschaft in Hochstimmung. An Kostümen, Alkohol und Festen darf es in dieser Zeit nicht fehlen – allem Anschein wohl auch nicht an Pferden. Auf diversen Faschingsumzügen müssen die sensiblen Tiere auf den albernen Festlichkeiten unserer Unterhaltung dienen. Ist das Ganze wirklich notwendig oder gerechtfertigt?

Zwischenfall am Rosenmontag

Auf dem diesjährigen Rosenmontagszug in Köln wurden mehrere Menschen und Pferde verletzt. Im Trubel des Umzuges gingen die Pferde einer Kutsche durch, wodurch die Kutscher_innen sowie drei Insass_innen “leicht bis mittelschwer” verletzt wurden. Eine Person, die nicht rechtzeitig ausweichen konnte, gelangte sogar unter die Kutsche und wurde von dieser überrollt. Auch die Pferde blieben nicht unversehrt, nachdem sie in einen stehenden Lkw gerannt sind. Alle Opfer des Unfalls mussten anschließend versorgt und behandelt werden. Nach der kurzen Unterbrechung des Umzugs, ging das fröhliche Treiben anschließend weiter. Was jedoch nie pausierte, ist die Debatte über die vermeintliche Notwendigkeit von Pferden auf derartigen Veranstaltungen.

Unfälle dieser Art sind kein Einzelfall

Dass Unfälle mit Pferden geschehen ist keine Neuigkeit, viel mehr gehören sie schon fast zum Regelfall vergleichbarer Veranstaltungen. Schon letztes Jahr stürzte beim Kölner Rosenmontagszug eines der Pferde und musste anschließend in eine Tierklinik gebracht werden. Diese Liste kann um zahllose Zwischenfälle ergänzt werden. Vor allem wenn sich der Blick nicht nur auf die Faschingszeit begrenzt, sondern alle vergleichbaren Events miteinbezieht. Hierbei geht es nicht nur um Verletzte, denn auch die Todesfälle häufen sich. Zum Beispiel starb beim letzten Oktoberfest eines der Augustiner-Pferde, aufgrund immer noch ungeklärter Umstände. Auch vor menschlichen Todesfällen macht diese “Tradition” nicht halt: Im sächsischen Erzgebirge starben vor Kurzem zwei Insassen einer Pferdekutsche bei einem tragischen Unfall.

Sind Pferde als Unterhaltungsobjekte tatsächlich notwendig?

Ob es noch zeitgemäß ist, Pferde für unsere Unterhaltungszwecke zu degradieren ist schon längst Teil der öffentlichen Debatte. Zahlreiche Stimmen werden laut, die sich für ein Verbot zur Verwendung von Pferden im Karneval aussprechen. Obwohl sich einzelne Karnevalszüge gegen das zukünftige Mitlaufen von Pferden aussprechen, steht ein Verbot leider noch aus. Oft werden diese Stimmen von einzelnen Politiker_innen übertönt, für die “Tradition” an erster Stelle steht. So auch der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU): “Ein Zug ohne Pferde ist Mist“.

Pferde für unsere überflüssige Unterhaltung zu nutzen ist längst obsolet und hat keinen Platz in einer aufgeklärten Gesellschaft. Klar ist, dass Ausbeutungsverhältnisse dieser Art niemals vernünftig zu legitimieren sind. Die Situation rückt in ein noch absurderes Licht, wenn betrachtet wird, dass hierbei nicht nur die Ausgebeuteten sondern auch die Ausbeutenden zum Opfer werden. Sowohl die Unterhaltungssklav_innen als auch die, die sich unterhalten lassen – die Menschen – werden verletzt und teilweise sogar getötet. Es sollte einmal gründlich überdacht werden, was wirklich als “Mist” bezeichnet werden sollte.



Laura

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"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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