Thailand-Urlaub: Hunde auf Eiswürfeln

Kürzlich war ich auf Urlaub in Hua Hin, einem Ort etwa 3 Stunden von Bangkok entfernt, im Golf von Thailand, wodurch ich einen kleinen Einblick in die vor Ort herrschenden katastrophalen Zustände für Tiere erhalten konnte. Besonders ins Auge stachen mir dabei die Hunde, deren Leid mich bis heute verfolgt und von dem ich euch heute berichten will.

Welpen mit geschlossenen Augen zum Anfassen & Kaufen

Auf dem von Tourist_innen und Einheimischen überfüllten Nachtmarkt sah ich jeden Abend immer wieder kleine Welpen in einer Kiste, die für umgerechnet ein paar Euro zum Verkauf dargeboten wurden und die nicht einmal ihre Augen öffnen konnten, so jung waren sie noch. Diese Welpen waren alles andere als zum Verkauf bereit. Sie hätten noch ihre Mutter gebraucht, mussten aber Abend für Abend in einer Kartonkiste von begeisterten Tourist_innen angefasst und bewundert werden. Letztere waren sichtlich verliebt in die Kleinen und empfanden viel Freude beim Streicheln dieser, doch irgendwann ebbte das Interesse ab, schließlich wollte mensch ja weitere Schnäppchen auf dem Markt ergattern und so gingen die Menschen einfach weiter, ohne sich große Gedanken zu machen.

Blieb mensch jedoch länger stehen und betrachtete diesen Verkauf kritisch von der Seite, wurde mensch gleich von den Verkäufer_innen schräg beäugt und verscheucht, denn diese wollten absolut keine Zweifel an ihrem Geschäft aufkommen lassen. Fotos und Videoaufnahmen durften daher offiziell auch nur von begeisterten und unkritischen Tourist_innen gemacht werden.

Hunde als gefesselte Bettelpuppen & auf Eis gelegt

Auf der anderen Marktseite entdeckte ich drei Hunde, die gefesselt und angebunden auf einem Stuhl sitzen mussten. Unter dem Stuhl stand eine Kiste, die Tourist_innen mit Geld füllen sollten, damit den Hunden angeblich davon Futter gekauft werde könne. Nach nur kurzer Zeit ließ sich leicht ausfindig machen, wem die Hunde gehörten. Ein grimmiger Mann vom Burgerstand gegenüber besuchte die Hunde in regelmäßigen Zeitabständen, um das Geld aus der Kiste zu nehmen. Geld, das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht (nur) in den Kauf von Hundefutter fließt. Doch er kam nicht nur, um das Geld zu holen, sondern auch immer wieder, um seine Hunde zu richten und ins rechte Licht zu rücken, denn wie der normale Menschenverstand schon vermuten lässt, sind Hunde nicht dafür geschaffen, den ganzen Abend über auf einem Stuhl gefesselt zu sitzen und würden immer wieder versuchen, von diesem zu springen.

Einer der Hunde war ständig am Zittern und hatte Angst- und Panikanfälle, weswegen der Mann den Hund immer wieder auf einen Haufen Eiswürfel legte, um ihn dadurch zu “beruhigen”. Doch weder die Eiswürfel noch die Tatsache, dass die Hunde mit Angstanfällen auf den Stühlen gefesselt waren, ließen die Tourist_innen das ganze Szenario hinterfragen, sondern der Anblick der Hunde erfreute sie immer wieder von Neuem. Viele von ihnen zögerten keine Sekunde und spendeten fortwährend große Summen Geld – Geld, durch welches Menschen, wie der grimmige Mann, Profit aus Tierquälerei und Tierleid schlagen und ihr Vorgehen immer weiter treiben.

Tagein tagaus auf Gitter, in engen Boxen & im eigenen Kot

Direkt neben einem anderen kleinen Nachtmarkt fand ich einen Laden, der hinter dem Schaufenster in Gitterboxen gestapelt Welpen anbot. Hunde können hier wie Lebensmittel im kleinen Laden nebenan für wenig Geld gekauft werden. Den ganzen Tag bis spät in den Abend stehen diese Welpen jeweils zu zweit auf weniger als 1 qm. Auf dieser Fläche schlafen, essen, spielen und verrichten sie ihre Geschäfte. Ein absolut unnatürliches Verhalten für Hunde, keiner möchte den eigenen Schlafplatz beschmutzen, doch eine andere Wahl bleibt den traumatisierten Welpen dort nicht. Denn zum Gassi gehen schafft es der “vielbeschäftigte” Ladenbesitzer nicht.

Mehr wie einen Blick oder ein kurzes Lächeln erhaschen die Welpen nicht, denn das Gros der Tourist_innen hat längst seine Lieblinge zuhause, die meist wohlbehütet sind. Und sie scheinen blind für das Leid der Kleinen hier, die sich zusammengepfercht auf dem künstlichen Grün quälen. Absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar für mich. Ein_e jede_r sollte sich schämen.

Tourismus – Fluch oder Segen für die Fellnasen?

Die Erlebnisse in Hua Hin haben mich schockiert, aber auch zum Nachdenken gebracht. Ich hoffe mein Bericht öffnet auch anderen Tourist_innen die Augen. Denn es ist falsch, diese Machenschaften mit Geld zu unterstützen. Ich bezweifle, dass die Urlauber_innen mit dem gespendeten Geld den Tieren etwas Böses wollen, die meisten wollen vermutlich helfen. Die Einheimischen verdienen sich jedoch gerade dadurch ein Zubrot, das Hundeleid wird somit nie enden. Das unüberlegte Verhalten der meisten Reisenden schafft eine Nachfrage, der diejenigen, die Hunde und andere Tiere für ihre Zwecke und für den Profit ausbeuten und missbrauchen, nur zu gerne nachkommen und wovon nicht für wenige Letzterer die eigene Existenz abhängt – ein Teufelskreis, der nur durchbrochen werden kann, wenn die Urlauber_innen sich der falschen Hilfsbereitschaft für die Hunde erwehren, sich zusammenreißen, die Nachfrage wegfallen lassen und somit das Leid langfristig beenden. Mitleid ist hier viel zu kurz gedacht und nicht zielführend. Wenn mensch befürchtet, dass die Tiere unterernährt sind, kann mensch ihnen Futter kaufen und dann direkt vor Ort füttern sowie die Tierausbeutenden immer wieder verbal konfrontieren.


ANMERKUNG: Mögen die geschilderten Erlebnisse auch noch so verstörend klingen, sind sie nur ein Bruchteil eines großen Ganzen und zu einem Großteil auf viele Länder weltweit ohne Weiteres ummünzbar, absolut unabhängig von Nationalität, Ethnizität und regionaler Verortung. Selbst in unserer unmittelbaren Umgebung ist derartiges, ähnliches oder teils gar schlimmeres nicht völlig undenkbar und teils Alltag. Von daher verbietet sich jeder geheuchelte Hass, wenn vor der eigenen Haustüre so schlecht gekehrt ist und Tierrechte immer noch eine Utopie im eigenen Land sind. Rassismus ist hier und grundsätzlich absolut daneben, vor allem von denen, die nicht selten gerade jene Urlauber_innen stellen, die das Leid vor Ort erst durch ihre falschen Hilfs- oder Entertainment-Absichten befeuern. Unpassende Kommentare werden daher umgehend gelöscht.



Melli

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