Tiere gehören nicht auf die Straße

Es ist schon ein paar Jahre her, als sich eine kleine Truppe Menschen zusammenfand, um aktiv zu werden gegen ein besonders grausames Elend: Langstreckentransporte von Tieren. Christa Blanke rief 1996 zur Aktion TierTodesTransport auf, mit der Idee, vor Ort bei den Tieren zu sein und ihre Fahrt und die Be- und Entladung zu begleiten. Hinten auf die Autos klebten sie große Transparente mit dem Slogan “TierTodesTransport”, um Vorbeifahrende darauf aufmerksam zu machen, dass in diesem LKW Tiere in den Tod fuhren. Mit dabei: Ein Team von animal 2000 aus München (2014 fusioniert zu ANIMALS UNITED). Die ersten Fahrten gingen von einer Verladestation in Polen über die Grenze bei Frankfurt an der Oder quer durch Deutschland nach Lauterbourg in Frankreich, nahe der deutschen Grenze bei Karlsruhe. Geladen waren sogenannte “Schlacht”pferde, auf dem langen und leidvollen Weg in den Tod.

Nach weiteren Begleitfahrten wurde schnell klar, dass das Ausmaß des Elends extrem und an ein Aufhören nicht zu denken war. 1998 entstand daher der Verein Animals‘ Angels e.V., der sich heute weltweit für die Abschaffung von Tiertransporten und Tiermärkten einsetzt, kontrolliert, dokumentiert und die Ergebnisse vor allem Behörden, Politik und Fachpublikum zur Verfügung stellt. Der Verein hat sich einen enormen Ruf als anerkannte Fachorganisation zum Thema Tiertransporte erarbeitet und kann so bei wichtigen Stellen Einfluss nehmen, um Verbesserungen zu erreichen.

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Begleitfahrt durch animal 2000 im Jahre 1996

Die Unterstützung von animal 2000 endete mit diesen ersten Fahrten nicht. Es folgten weitere Aktionen und über die Jahre blieb animal 2000 fortwährend ein treuer Unterstützer von Animals‘ Angels. Auch unter neuem Namen ANIMALS UNITED wird diese Unterstützung fortgeführt. So haben wir gerade die dritte LKW-Plane “STOPPT TIERTRANSPORTE” gesponsert und freuen uns sehr, dass wir so dazu beitragen können, dass diese Nachricht europaweit über die Straßen getragen wird. Denn viele Menschen scheinen zu vergessen, dass “Nutz”tiere abgesehen von der eh schon leidvollen Mast auch noch zusätzlich transportiert werden.

Jedes „Nutz”tier wird in seinem Leben mindestens einmal transportiert. 2012 wurden allein in Deutschland über 760 Millionen “Schlacht”tiere transportiert (1), in ganz Europa 2.438.306.132 (2). Tiertransporte verursachen unvorstellbares Leid. Die Tiere werden von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen transportiert, oft unter schrecklichen Bedingungen. Sie haben zu wenig Platz, werden unzureichend oder gar nicht versorgt, leiden unter extremer Hitze und klirrender Kälte, viele schwach, verletzt oder schon fast tot. Unpassende oder beschädigte Fahrzeuge und ignorantes oder unwilliges Personal (Fahrer_innen, Veterinär_innen und Mitarbeiter_innen an Verlade-/Versorgungsstationen oder Schlachthöfen) verschlimmern das Ganze noch. Bestehende Gesetze sind unzureichend, werden zu lasch oder gar nicht kontrolliert und in vielen Ländern gibt es gar keine Gesetze. Und auch wenn die Tiere das “Glück” haben und auf einem Transporter unterwegs sind, auf dem alles “optimal” und nach gesetzlichen Regelungen abläuft, ist eines doch gewiss: Sie fahren immer in den sicheren Tod – früher oder später.

Wenn mensch die Veränderungen über die Zeit von 1996 bis heute realistisch betrachtet, ließe sich meinen, dass sich nicht viel verändert hat. Die Tierzahlen sinken nicht, die Strecken und Fahrtzeiten werden nicht kürzer, die Tiere leiden nach wie vor, regelmäßig werden Transporter mit Tieren in schrecklichen Zuständen kontrolliert. Bei genauerer Betrachtung lässt sich jedoch erkennen, dass sich doch etwas tut: Durch die hartnäckige und professionelle Arbeit von Vereinen wie Animals‘ Angels wird überhaupt über Tiertransporte diskutiert, auch auf EU-Ebene und in internationalen Regierungen. Transportunternehmen achten mehr auf die Einhaltung der Gesetze (ob aus Angst oder zum Wohl der Tiere, das lässt sich nicht mit Gewissheit sagen). Polizist_innen und Veterinär_innen interessieren sich zunehmend für das Thema und bilden sich fort, um eine bessere Handhabe bei Kontrollen zu haben. Auch viele Tiermärkte wurden durch die Arbeit von Animals‘ Angels verbessert oder gar geschlossen. Insgesamt sind die Menschen sensibler geworden für das Thema – auf allen Ebenen.

Es mag nur langsam vorangehen, aber es passiert etwas, nachhaltig. Und wir sind stolz, dass wir ein Teil der Keimzelle dieser Bewegung waren, immer noch sind und weiterhin sein werden!

Quellen:
(1) Rinder, Schweine, kleine Wiederkäuer, Equiden, Vögel, Kaninchen und andere Tierarten, http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/docs/de_report_2012_en.pdf
(2) Rinder, Schweine, kleine Wiederkäuer, Equiden, Vögel, Kaninchen und andere Tierarten, http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/transport/inspections_reports_reg_1_2005_en.htm



Anita

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Bewusstsein ist nicht alles. Aber ohne Bewusstsein ist Alles nichts.
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