Tierschutz im Urlaub: Augen auf, Linse zu

Stell dir vor, du wanderst du durch die Straßen eines fremden Landes. Du inhalierst die ungewohnten Gerüche und lässt das rege Treiben auf dem Händlermarkt auf dich wirken. Vorbei an Händler_innen mit Töpferwaren, Hüten und landestypischer Kleidung lässt du dich an einem Obststand zum Kauf einer erfrischenden Kokosnuss hinreißen. Frisch gestärkt erweckt eine kleine Menschenmenge ein paar Meter weiter deine Aufmerksamkeit. Neugierig bahnst du dir deinen Weg dorthin. Ohne dein Kokoswasser zu verschütten, stellst du dich auf die Zehenspitzen und lugst über die Schulter des stämmigen Mannes vor dir. Du blickst geradewegs in die Augen eines verstörten Affenjungen, welches auf der Schulter eines Markthändlers sitzt. Etliche Arme sind ihm entgegengestreckt, um das schöne Fell des Jungen zu berühren. Zwei junge Mädchen treten vor und möchten ein Foto mit dem Tier. So nimmt der Markthändler das Junge und setzt es einem der Mädchen auf die Schulter. Begeistert von dieser Idee reihen sich immer mehr Tourist_innen für ein Foto mit dem süßen Affenjungen ein. Ein solch süßes Wesen hatte bestimmt noch keine_r der Arbeitskolleg_innen auf der Schulter…

Aber was ist denn nun so schlimm an einem kurzen Foto mit solch einem süßen Tier?

Stress durch ständigen Kontakt zum Menschen

Erstens seid ihr nicht die Einzigen mit diesem Gedanken. Ein Foto ist vielleicht nicht die Welt, aber nicht nur ihr macht dies. Alle paar Minuten, wenn nicht Sekunden, reiht sich jemand anderes ein, um ein Selfie mit dem Tier zu schießen. So geht das Tier durch die Hände der Selfiejäger_innen. Jede_r fasst das süße Wesen an, positioniert es vielleicht sogar für das perfekte Foto. Möchtet ihr täglich von hunderten fremden Menschen berührt werden? Es stresst. Vor allem, wenn ihr in der freien Wildbahn eigentlich sehr menschenscheue Tiere seid und jegliche Begegnungen weitgehend meidet. Auch das ständige Blitzlichtgewitter stresst die Tiere, da es ihren natürlichen Instinkten widerspricht – sie erkennen es als Gefahr und würden die Flucht ergreifen.

Gebrochen seit frühester Kindheit

Damit die Tiere es dennoch, entgegen ihrer Natur, über sich ergehen lassen, werden sie meist sehr jung durch psychische und / oder physische Gewalt gebrochen oder mit Medikamenten ruhiggestellt. Diese sollen auch mögliche Aggressionen gegen den Menschen eindämmen.

Bereits in frühester Kindheit werden die Betroffenen ihren Familien entrissen. Wer kennt es nicht, das Kindchen-Schema? Junge Tiere sind nunmal “süßer” als ältere Tiere, das liegt schon allein an ihrer Anatomie im Wachstum – egal, ob Affe, Tiger oder Krokodil. Je süßer und jünger das Tier, desto mehr Menschen wollen sie betrachten und desto mehr Geld kann mit ihnen gemacht werden. Nur selten wird hinterfragt oder beobachtet, was mit ihnen als erwachsene Exemplare passiert. Ausgewachsene Exemplare, insbesondere Großkatzen, werden oft für die Großwildjagd verkauft oder einfach möglichst kostengünstig umgebracht, da sie hohe Kosten verursachen und viel zu viel möglichen Platz des nächsten Tiernachwuchses wegnehmen.

Missstände in Verpflegung und Haltung

Desweiteren ist die Verpflegung und Haltung meist katastrophal. Die Tiere werden als Profitmittel angesehen, nicht als Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen, welche sie sind. Dabei macht es wenig Unterschied, ob nun kleine Straßenhändler_innen oder große Parkleitungen von den Fotos profitieren. In Ländern in denen vermehrt solcher Touristenfang durch Fotos mit Tieren betrieben wird, herrschen meist lockerere Tierschutzregelungen als in Deutschland. Oftmals werden aber selbst nicht einmal diese im vollen Maße umgesetzt.

Wenn die Tiere gerade nicht benötigt werden, sperrt mensch sie in winzige Käfige oder kettet sie an. Wenn sie nicht die geforderte Leistung bringen oder nicht kooperieren wollen, bestraft mensch sie, manchmal auch durch Futterentzug. Gerade bei Straßenhändler_innen ist oftmals auch keine gesicherte Verpflegung durch regelmäßiges “Einkommen” gegeben. Bei größeren Parks ist zwar öfter eine gesicherte Verpflegung gegeben, doch durch die größeren Menschenmassen und für Fotos resultierende Ruhigstellen der Tiere verursacht kein minderes Leid. Gerade wenn die Parks auf den Profit durch die Fotos ausgelegt sind, wird an Ausgaben für die Verpflegung oft gekürzt und gespart, um den Profit zu steigern.

Das könnt ihr tun

  • Ermöglicht solchem Tierleid keine verschönende Präsenz auf euren sozialen Kanälen und Fotos! Diese haben Signalwirkung auf Andere!
  • Unterstützt solche Parks und Straßenhändler_innen nicht mit eurem Geld – auch nicht aus Mitleid!
  • Wenn euch vor Ort die Buchung einer vermeintlichen „Attraktion“ mit Tieren angeboten wird, sagt dem_der Veranstalter_in höflich, aber unmissverständlich, dass ihr es aus Tierschutzgründen ablehnt.
  • Bittet eure Reiseveranstalter_innen / Reisebüros in Deutschland, Parkbesuche, welchen diesen Zweck verfolgen aus Tierschutzgründen aus ihrem Katalog zu streichen und weist auf tierleidfreie Optionen hin.
  • Informiert eure Freund_innen und Familien über das Leid durch Tierattraktionen im Ausland.
  • Empfehlt tolle Unternehmungen für die kein Tier leiden muss.
  • Klärt andere Urlauber_innen auf! Denn nur wenn kein_e Tourist_innen mehr Geld für solche Aktionen bezahlen, wird sich das Leben der Tiere ändern.


Julia

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Du mußt dein Ändern leben. (Rainer Maria Rilke)
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