Tierschutz im Urlaub: Delfinarien

Stellt dir vor, du liegst nach einem stressigen Tag in der Badewanne und nippst zu entspannender Musik an einem Glas Rotwein. Hast du es vor Augen? Liegst du vielleicht gerade dort und liest diese Zeilen auf eurem Handy? Gut. Nun wechselt die Musik in hochfrequente Töne. Nicht angenehm, oder? Besser wir ersetzen das Glas Rotwein in einen betäubenden Medikamentencocktail. Ist doch schon viel erträglicher. So lässt es sich doch ein Leben lang in der Badewanne aushalten. Denn eher wirst du nicht mehr aus der Wanne herauskommen. Wo wir schon mal dabei sind: Bitte balanciere doch die Shampooflasche da neben dir auf der Nase, das sähe doch bestimmt lustig aus.

Klingt für euch nach einem kranken Psychothriller? Leider ist das für viele Meeressäuger weltweit trauriger Alltag.

Die Bucht

Das Unrecht beginnt schon in Buchten wie Taji. Falls ihr noch nie von dieser Bucht gehört habt, schaut euch den Film “Die Bucht” an. Insbesondere unsere Kolleg_innen von Sea Sheperd Society leisten dort wichtige Aufklärungsarbeit. Mit Booten werden die Delfingruppen in die Bucht getrieben, mit Netzen an der Flucht aus dieser gehindert. Einmal in dieser Bucht, beginnt das Leid. Die schönsten Exemplare werden von Tiertrainer_innen aus aller Welt rausgepickt und rund um den Globus transportiert, andere für ihr Fleisch abgeschlachtet. Jährlich färbt sich die Bucht blutrot. Schwer zu sagen, was nun die grausamere Handlung ist, welche den Delfinen angetan wird. Gefangenschaft und Leiden auf Lebenszeit oder der Tod für die schnelle Mahlzeit. Den Aktivist_innen, welche das Grauen dokumentieren wollen, wird jeder mögliche Stein in den Weg gelegt. Es werden Einreiseverbote erteilt und Menschen willkürlich festgesetzt.

Entertainer – ungefragt & Tag für Tag

Erst einmal in einem Delfinarium angekommen, wird viel von den Säuger_innen erwartet. Das Publikum soll unterhalten werden – Vorstellung für Vorstellung, Tag für Tag. Damit die Delfine die Kunststückchen lernen und diese auf Aufforderung ohne Widerwille zeigen, ist einiges notwendig. Nicht selten wird mit Futterentzug psychische und physische Gewalt angewendet, um die Kommandos anzutrainieren. Ihrer natürlichen Freiheit beraubt fristen sie ihr Leben zwischen Beton und Glaswänden. Während sie in den Meeren mehrere Hundert Kilometer am Tag mit ihren Familien zurücklegen und ihr ausgeprägtes Sozialverhalten ausleben, bleibt ihnen dies in Gefangenschaft verwehrt. Der Film “Blackfish” ist zu dieser Thematik durchaus empfehlenswert zu sehen.

Psychopharmaka

Nicht nur im Ausland auch in Deutschland gibt es Delfinarien. Über einen Zeitraum von 5 Jahren hat das WDSF durch gerichtlich erwirkte Akteneinsicht im Zoo Duisburg die Medikamentengabe feststellen können. Es kamen mehr als 20 Medikamente und Präperate zum Einsatz. Am häufigsten wurde den Tieren Antibiotika gegeben, aber es wurden auch Psychoparmaka wie Diazepam (Valium) und Serenin verabreicht. Kein Einzelfall. Auch im Nürnberger Delfinarium wurden mehr als 30 Medikamente angewandt, darunter bei fast allen Delfinen auch Psychopharmaka.

Verhaltensgerecht?

“Aus Sicht des Tierschutzes ist eine dauerhafte Haltung von Tieren nicht verhaltensgerecht, wenn sie nur mit Einsatz von Medikamenten zur Beruhigung möglich ist.”, sprach sich das Landesinstitut für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) aus. Auch die Bundesregierung hatte diese Aussage im Jahr 2015 in einer Antwort auf eine Fraktionsfrage zur Verwendung von Medikamenten bei Tieren in Zoos verlauten lassen. Frankreich erließ erst vor kurzem im Mai 2017 ein Verbot der Haltung von Orcas und Delfinen und ging mit gutem Beispiel voran. Es wird Zeit, dass auch andere Regierungen die Notwendigkeit erkennen und ihre Vorbildfunktion in Sachen Tierschutz wahrnehmen!

Das könnt ihr tun

  •  Boykottiert Delfinarien und ähnliche Einrichtungen! Unterstützt das Tierleid nicht mit dem Kauf einer Eintrittskarte!
  •  Schreibt Reiseveranstalter an, damit sie Delfinarien und ähnliche Einrichtungen sowie Shows aus dem Programm nehmen!
  •  Informiert euch und andere! Ein Filmabend mit “Die Bucht” oder “Blackfish” kann Augen öffnen.


Julia

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Du mußt dein Ändern leben. (Rainer Maria Rilke)
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