Treue Gefährten: Mein Kumpel mit der kalten Schnauze

„Wo sind die Menschen?“ fuhr der kleine Prinz endlich fort. „Man ist ein bisschen einsam in der Wüste…“
„Man ist auch bei den Menschen einsam“, sagte die Schlange.
Der kleine Prinz sah sie lange an.

Wer sagt, dass nur der Mensch zu echter, tiefer Freundschaft fähig ist, hat noch nie mit Hunden oder Katzen sein_ihr Zuhause geteilt. Und für viele sind die kleinen Vierbeiner sogar mehr als nur ein Haustier. Sie schützen uns vor trister Einsamkeit, sind Seelsorger, stiller Vertrauter und bester Freund. Sie sind Teil unserer Familie, wir nehmen sie mit auf Reisen mit und schaffen ihnen ein gemütliches Zuhause.

Heute sind wir der festen Überzeugung, dass Tiere jeglicher Art, Gefühlsausprägungen verspüren. Dazu gehören Liebe, Freude, Angst, Trauer oder auch Freundschaft. Die Gefühle und die Zuneigungen, die wir für (“unsere”) Tiere und Tiere untereinander verspüren, kann nicht erzwungen oder analysiert werden. Sie ist einfach da.

Heute begegnen wir einigen liebenswerten Tieren und ihren Menschen, die uns an ihren herzzerreisenden Geschichten über Freundschaft und Liebe teilhaben lassen. Zuerst reisen wir dafür nach London:

James der Straßenmusiker mit seinem Streuner Bob (London, 2013)

James lebt in London auf der Straße. Er ist drogenabhängig und schlägt sich als Straßenmusiker durch. Das Letzte was James jetzt gebrauchen kann, ist ein Haustier. Doch wie es das Schicksal so will, scheppert es eines Abends in seiner Wohnung und ein roter abgemagerter Kater steht mitten in seiner Küche. Er sieht wie sein tierisches Ebenbild aus. Er beginnt den kleinen Streuner aufzupäppeln und versucht den Besitzer ausfindig zu machen. Als ihm das nicht gelingt, setzt er ihn in einem benachbarten Park wieder aus, um ihn seines Weges ziehen zu lassen.

Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt erst gar nicht daran, James zu verlassen. Er kommt mit einer Verletzung wieder zu ihm zurück. James gewinnt Bob schließlich sehr lieb und spricht viel mit ihm. Bob verfolgt ihn auf Schritt und Tritt und sitzt von nun an beim Musizieren auf James Schultern. So bekommt James nicht nur mehr Aufmerksamkeit von den Passant_innen, sondern schafft es schließlich auch, seinen Weg zurück ins Leben zu finden. Eine ungeschönt und traurige, aber doch wunderschöne Geschichte.

Laurent Fern Watt und ihre todkranke Hündin Gizelle (New York, 2015)

Gizelle wird sterben, doch vorher wollen sie und ihr Frauchen noch viel erleben: Die New Yorkerin Lauren Fern Watt hat ihrer krebskranken Hündin elf besondere letzte Tage bereitet.

Gizelle und Lauren sind ein Herz und eine Seele, doch leider kommt der schreckliche Moment, in dem Lauren erfahren muss, dass ihre Hündin unheilbar an Knochenkrebs erkrankt ist und ihr nur noch wenig Zeit bleibt. Auf Laurents To-Do-Liste stehen unter anderem ein Ausflug nach New England ohne wirkliches Ziel, den besten Donut der Welt zu finden, den Weihnachtsmann zu besuchen und Kanu zu fahren. Am Tag bevor Gizelle schließlich starb, saßen die beiden im Winter am Strand.

„Der Himmel war weiß, die Bäume kahl, sogar die Vögel hatten sich versteckt. Die ganze Welt hat sich so leblos angefühlt und es war in diesem Moment unvorstellbar, dass an diesem Strand tatsächlich kunterbunte Sonnenschirme und hübschen Männer herumliegen. Aber genau in diesem Moment habe ich gemerkt, dass es in Ordnung ist, Gizelle gehen zu lassen. Ich hatte plötzlich das Vertrauen, dass die Bäume wieder grüne Blätter bekommen würden und Kinder mit gelben Eimern ins Wasser springen. Ich hatte den Glauben, dass ich Gizelle immer bei mir haben würde“, beschreibt Laurent den letzten Ausflug der beiden.

Robert Kugler mit Labradorin Bella (Nebraska, 2015)

Ähnlich klingt die Geschichte von Robert und seiner Bella. Nach ihrer Krebsdiagnose entschied er sich dafür, seine treue Begleiterin nicht etwa einzuschläfern sondern ihre letzten Monate zu den schönsten ihres Lebens zu machen. So brachen die beiden nach der Amputation des kranken Beins zu einem Roadtrip durch Amerika auf.

Bella bekam die Diagnose, als sie nur noch drei bis sechs Monaten zu leben hatte. Seitdem sind 14 Monate vergangen, fast 15 sogar. Robert ist der Überzeugung, dass Bella wohl schon nicht mehr hier wäre, wenn sie einfach zu Hause geblieben wären. Sie bringe ihm immer seine Autoschlüssel und fordert und damit zur Weiterfahrt auf und solange sie das tut und ihr Schwanz wedelt, würden sie weiterreisen, meint Robert.

Für Robert gibt es Tage, an denen er scheinbar komplett auf den Abschied eingestellt ist – und andere, an denen er den Gedanken überhaupt nicht ertragen kann. Ein Haustier zu “besitzen” bedeutet für ihn, auch am Ende für es da zu sein. Bei jemandem zu sein, der von uns geht, ist das größte Geschenk, das man geben kann. Wir alle kommen, wir alle gehen. Aber nicht viele von uns bekommen wirklich die Chance, ein mutiges und freies Leben zu führen.

Hündin Kabang und die zwei Kinder (Philippinen, 2011)

Bis zu einem Tag im Dezember 2011 sieht Kabang aus wie viele andere halbwilde Hunde in den Philippinen. An diesem Tag wollen die neunjährige Tochter ihres Herrchens und deren dreijährige Cousine eine vielbefahrene Straße überqueren. Die kleinen Mädchen übersehen ein Motorrad. Kabang wirft sich dazwischen und rettet den Kindern auf diese Weise das Leben. Bei dem Aufprall wird ihr jedoch die halbe Schnauze weggerissen.

Die Geschichte der kleinen Heldin rührt viele Menschen und so konnte Kabang dank einer Online-Spendensammlung in den USA behandelt werden. Acht Monate lang wurde sie in einem Tierkrankenhaus immer wieder operiert, bis sie schließlich zu ihrer Familie zurückkehren konnte. Zurück in den Philippinen wurde sie wie eine echte Heldin empfangen und in der südlichen Hafenstadt Zamboanga mit einem Autokorso zum Rathaus gebracht. Dort verlieh der Bürgermeister Celso Lobregat ihr den Titel „Stolz von Zamboanga“.

Gorilla Binti Jua und der dreijährige Junge (Illinois, 1996)

Binti Jua war gerade einmal 8 Jahre alt als sie im Brookfield Zoo in Chicago dieses Wunder vollbrachte. Ein Dreijähriger kletterte unbeobachtet die Wand des Geheges hoch und fiel von dort aus ca. 5 Meter auf Beton direkt in das Gehege des Gorillas.
Als der Junge keine Bewegung von sich gab, näherte sich Binti dem bewusstlosen, verletzten Jungen und hilflose Zuschauer _innen schrien auf, aus Angst, der Gorilla könnte dem Kind etwas antut. Binti nahm den Jungen jedoch zu sich und wiegte ihn in ihren Armen, als wäre er ihr eigenes Kind. Sie schleppte ihn dann an den Personaleingang des Käfigs, wo die herbeigestürmte Mutter und die Pfleger_innen das Kind in die Arme schlossen.

Nach dem Unfall diskutierten Sachkundige, ob Binti instinktiv gehandelt oder aufgrund der erlernten Handlungsanweisungen im Zoo so entschieden hatte. Da Binti von Hand aufgezogen wurde, liegt es nahe, dass sie dieses erlernte Verhalten anwendete. Aber wie auch immer es war: Binti ist ein Lebensretter und das zählt.

Noch während der kleine Junge im Krankenhaus versorgt wurde, gingen die Bilder der Rettung um die Welt und führten zu Begeisterung und rührenden Gesten der Unterstützung. Dutzende Menschen spendeten für den Zoo und ein Obsthändler spendierte Binti-Jua sogar 12 Kilo Bananen!

Auch, wenn diese Geschichte wirklich herzzerreißend ist, soll hiermit keineswegs die “Tierhaltung” im Zoo gerechtfertigt oder verharmlost werden. Tiere gehören in die Natur, nicht hinter Gitter.

Andi Davis und Pitbull Elijah (Phoenix, 2014)

Andi Davis aus Phoenix ist eine leidenschaftliche Wanderin. Die Gebirgspfade nahe ihrer Heimat kennt sie in- und auswendig, aber auf das, was sie an diesem Tag auf der Strecke vorfindet, ist sie nicht vorbereitet: Zwischen den Felsen liegt ein Pitbull-Terrier, wie tot. Sofort war ihr klar: Sie musste dem kleinen Kerl helfen. Also hob sie ihn auf ihre Schultern und trug das 20 Kilogramm schwere Tier eine Stunde lang den Berg hinunter – ohne jegliche Hilfsmittel.

Unten warteten bereits ihr Mann und die kleine Tochter. Sie luden den Hund ins Auto und fuhren ihn sofort zum nächsten Tierarzt. Dort entdeckten sie – mehr oder weniger per Zufall – eine Schusswunde, die mitten durch den Hals verlief. Da kein Blut mehr zu sehen war, war die Wunde auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen.

Eine Operation rettete dem Hund das Leben. Und obwohl die die Familie bereits drei Hunde zu Hause hatte, wussten alle direkt, dass er zu ihrer Familie gehörte. So adoptierten sie ihn und tauften ihn Elijah.

Kinderlose Gorilla-Dame Koko und ihre Katzenbabys (Kalifornien, 1970er)

Penny – Kokos Betreuerin – und Koko sind wie Mutter und Tochter. Die beiden verständigen sich via Zeichensprache, die einen Wortschatz von über 1000 Zeichen umfasst. Koko drückt dadurch ihre Gefühle und Wünsche aus. Mit zunehmendem Alter wuchs in Koko schließlich auch der Kinderwunsch, den sie Penny gegenüber ausdrückte. Koko hatte solche Sehnsucht, dass sie ihrer Puppe die Zeichensprache beibrachte, die sie von Penny als Baby gelernt hatte. Alle Versuche die Gorilla-Dame mit einem Männchen zu verkuppeln, scheiterten allerdings.

Doch dann nahm das Schicksal seinen Lauf: Durch Zufall entdeckt Penny einen Wurf ausgesetzter Katzenbabys und wagte ein Experiment: Sie brachte die Kätzchen zu Koko, welche also ab sofort ein kleines Pflegekind hatte. Koko war überglücklich und bemutterte das junge Kätzchen als wäre es ihr eigenes. Doch leider wurde die Katze alsbald von einem Auto überfahren. Penny erklärte dem Gorilla, was passiert war und Koko fing an zu weinen. Nachdem sich die Gorilla-Dame von ihrer Trauer erholt hatte, folgten in den kommenden Jahren jedoch noch viele weitere Kätzchen, deren sich Koko herzzerreißend annahm.

Erneut eine schöne und herzerwärmende Geschichte, doch Wildtiere wie Gorillas gehören nicht in die “Obhut” von Menschen. Sie sollen nicht ihrem natürlichen Habitat entrissen werden, sondern genau dort geschützt werden.

Straßenkatze Arthur und die schwedischen Spitzensportler_innen (Ecuador, 2015)

Unsere letzte Geschichte handelt von einem Hund, der den Dschungel durchquerte, um ein Zuhause zu finden. Es fing alles damit an, als vier schwedische Extremsportler_innen nach Ecuador reisten, um die Weltmeisterschaften im Abenteuer-Rennen zu gewinnen. Doch auf ihrer Reise bekamen sie stattdessen etwas, mit dem sie gar nicht gerechnet hätten.

Vor der letzten Etappe näherte sich plötzlich ein streunender und verletzter Hund den Sportler_innen, welche ihn – ohne sich mehr dabei zu denken – fütterten. Als sie schließlich weiterfahren wollten, merken sie, dass der Hund ihnen folgte. Sie versuchten, ihn zu verscheuchen, aber der Streuner weigert sich beharrlich, sie zu verlassen. Er folgt ihnen trotz einer blutenden Rückenverletzung durch Schlamm und Sumpf des Dschungels und musste dabei mehrmals aus dem Matsch gezogen werden.
Ihre letzte Etappe war eine 59km lange Fahrt mit dem Kajak. Die Organisatoren rieten dem Team davon ab, Arthur mitzunehmen und so startet die Fahrt ohne den Vierbeiner, welcher am Ufer zurück gelassen wurde.

Als der Hund begriff, dass sein “Rudel” ins Wasser geht und nicht zurückkommt, folgte er ihnen tapfer ins die gefährlichen Fluten. Das Team konnte diesen herzzerreißenden Anblick nicht mit ansehen und zog den nassen, frierenden Hund unter dem Applaus der Zuschauer_innen an Bord. Damit er nicht krank wird, wickelten sie ihn in ihre eigenen Trainingsjacken. Spätestens jetzt war klar: Er ist Teil des Teams. Schließlich wurde er von Teamführer Mikael Lindnord auf den Namen „Arthur” getauft, weil er genauso viel Mut bewiesen hatte wie sein königlicher Namensvetter.

Begonnen hatten sie die Reise zu viert, beendet aber zu fünft. Mikael entscheidet sich, Arthur zu adoptieren. Er hat eine kleine Tochter, für die er sich keinen liebevolleren und treueren als Hund als Arthur vorstellen kann.

Tiere können uns verändern, und sie zu lieben ist ein großes Glück, denn man kann sich im Gegenzug ihrer Liebe immer sicher sein. Sie lieben, ohne zwischen Rasse oder Spezies zu unterscheiden. Sie verurteilen uns nicht aufgrund unserer Ansichten, dem physischen Erscheinungsbild oder politischen Einstellung. Sie verstehen vor allem Emotionen.

Grund genug, um (insbesondere auch nicht-menschlichen) Tieren im Alltag mehr Aufmerksamkeit und Respekt zukommen zu lassen. Neuseeland geht bereits als leuchtendes Beispiel voran: hier wurde per Gesetz festgelegt, dass alle Tiere Empfindungen und Gefühle wie wir Menschen haben.
Es geht darum, einen neuen Umgang mit den Tieren zu schaffen – Neuseeland hat bereits erkannt, dass der Mensch die Verantwortung für sein Handeln trägt. Dank des neuen Gesetzes Animal Welfare Bill gehören Tierversuche von nun an der Vergangenheit an und Tierquälerei steht unter strenger Bestrafung. Wäre doch schön, wenn sich andere Länder dies zum Vorbild nehmen würden, nicht wahr?



Alina

Alina

Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen. (Ernst R. Hauschka)
Alina

Sag was dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht