Vegan for two weeks

„Vegetarisch ist ja okay aber vegan ist mir zu extrem.“

„Aber dir fehlen doch dann total viele Nährstoffe?

„Ich achte einfach darauf, dass alles Bio ist, dann geht das ja.“

Das sind typische Reaktionen, wenn mensch erzählt, dass er_sie sich zu einer veganen Lebensweise entschieden hat. Die Menschen reagieren mit Kritik und Unverständnis. So muss mensch sich erst einmal einen Vortrag anhören, wie übertrieben und ungesund eine vegane Lebensweise ist.

Wieso habe ich mich dazu entschlossen es doch zu probieren?

Mensch kann sich das alles für eine Zeit lang schön reden mit „So schlimm ist es nicht“, aber nach einer gewissen Zeit erlangt das Gewissen doch mehr Gewicht als der Appetit. Den endgültigen Anstoß habe ich dann durch mein Praktikum bei ANIMALS UNITED e. V. bekommen und dachte, ich probiere es wenigstens für diese zwei Wochen. Außerdem kann mensch nicht behaupten, etwas sei zu schwer, wenn mensch es nicht selbst einmal ausprobiert hat. Durch den Versuch ist nichts verloren, sondern mensch gewinnt nur neue und vor allem eigene Eindrücke.

Auch ich selbst habe lange als Ausrede „Wir kaufen ja nur Bio“ benutzt und dachte ebenso der Konsum von Milch und Ei wäre nicht so schlimm. Wenn mensch sich allerdings ein bisschen intensiver mit dem Thema auseinander setzt und ein paar reale Bilder zu sehen bekommt, merkt mensch schnell, dass dieser Teil der Lebensmittelproduktion nicht ganz so ‚harmlos‘ ist, wie es anfangs scheint. Obwohl das sogar viele Leute wissen und Veganismus gut heißen, versuchen sie es gekonnt zu ignorieren. Aber warum? Die Begründung hier ist: „Ich kann das nicht, dafür gibt es zu viele Sachen, die ich gerne esse“. Diesen Satz kenne ich auch zu gut von mir.

Anfangs

Am ersten Tag ist mensch noch etwas ratlos und greift sich einfach alles ohne tierische Produkte, was gerade im Haus ist. Doch schon hier fällt auf, was nun alles vom Speiseplan wegfällt. Die ersten Zweifel kommen und mensch und hofft, dass die zwei Wochen schnell vorüber gehen. Aber ist mensch wirklich so eingeschränkt, wie es anfangs scheint? Nein, eben nicht. Mittlerweile gibt es nahezu für alles Alternativen, mit denen mensch nicht nur den Tieren und der Umwelt etwas Gutes tut, sondern auch sich selbst.

Zu Beginn ist es etwas schwer, die passenden Produkte für sich zu finden oder überhaupt erst einmal heraus zu bekommen wo mensch diese kaufen kann. Aber hierfür gibt es Hilfe an allen Ecken: Zeitschriften, Internetseiten, Gruppen auf Social Media und mehr. Am einfachsten ist es allerdings, wenn mensch jemanden im Bekanntenkreis hat, die sozusagen Insidertipps haben. Außerdem gibt es in zwischen das meiste in ganz normalen Supermärkten und nicht nur in Bio-Läden. Am Anfang ist es wichtig, nicht den Mut zu verlieren wenn mensch rumprobiert, denn die Produkte jeder Marke schmecken sehr verschieden.

Erste Hürde: Das Frühstück

Die erste Hürde war das Frühstück. Doch es gibt eine Vielzahl an pflanzlichen Optionen zu Milch, Jogurt und Aufstrichen. Hafer-, (Schoko-/ Vanille-)Soja-, Reis-, Mandel”milch”… Sojajogurt in allen möglichen Geschmacksrichtungen, veganer Schokoladenaufstrich, Frisch”käse”, Scheiben”käse”, Erdnussmus, Kokosaufstrich mit Vanille, Tomate mit Quinoa und noch so viel mehr.

Zweite Hürde: warme Mahlzeiten

Ein wichtiger Punkt war die Kochsahne, aber auch das stellte kein großes Problem dar. Hier kann mensch einfach Hafer- oder Soja-“Sahne” verwenden. Diesen Tipp habe ich sogar von einer omnivoren Bekannten bekommen, die selbst meint, sie würde keinen Unterschied schmecken.

Ausgewogene Ernährung

Wichtig ist aber nicht nur leckere Alternativen zu finden, sondern sich auch ausgewogen zu ernähren. Der Tipp eines Freundes war die Drei-Schritte-Regel. Zuerst konzentriert mensch sich auf Gemüse mit vielen Proteinen (am besten Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen, Kichererbsen…), dann nimmt mensch eine Fettquelle dazu und zum Schluss kommen die Kohlenhydrate. Es reicht nämlich nicht sich einfach mit den Beilagen zufrieden zu geben.

Dritte Hürde: Das Backen

Das war besonders wichtig für mich, da ich leidenschaftliche Hobbybäckerin bin. Ich hatte mich früher schon einmal informiert, wie am besten Ei und Butter beim Backen ersetzt werden kann. Damals bin ich aus Bequemlichkeit und dem Geschmack bei der altmodischen Variante geblieben, obwohl ich nur einmal hätte umdenken müssen und dann quasi nie wieder. Für Butter nimmt mensch ganz simpel Margarine. Zum Backen hatte ich sie sogar schon teilweise genutzt, aber für die Buttercremes, dachte ich würde es geschmacklich einen Unterschied machen. Irrtum! Ich habe es getestet und mensch merkt nichts.

Was die Eier angeht sind die Möglichkeiten nahezu grenzenlos. Mensch kann stattdessen Apfelmus, Bananen, Chiasamen (1-2EL + 3-4 EL Wasser), Leinsamen, Ei-Ersatzpulver oder selbst hergestellten Ei-Ersatz verwenden.

Der einzige Punkt bei dem ich dachte, dass er etwas komplizierter werden könnte war der Fondant (eine Zuckermasse zum Einkleiden von Torten, die meist mit Gelatine hergestellt wird). Bis jetzt hatte ich ihn immer beim Konditor gekauft, aber nun mache ich ihn eben selbst. So ist er nicht nur vegan, sondern auch noch günstiger. Aber Rezepte und Tipps sind natürlich auch überall im Internet zu finden. Meine erste vegane Torte, bei der mensch überhaupt keinen Unterschied zu einer herkömmlichen bemerkt, findet ihr auch schon im Blog.

Schwierigste Hürde: Akzeptanz der Mitmenschen

Teilweise finde ich, dass die Ernährungsumstellung nicht das Schwierigste ist, sondern vielmehr die mangelnde Akzeptanz der Mitmenschen. Während des Praktikums fiel es mir sehr leicht vegan zu essen. Nur von Menschen umgeben zu sein, die die gleiche Einstellung vertreten erleichtert alles erheblich. Wenn man sich allerdings wieder in seinem alltäglichen Umfeld befindet, wird einem das Ganze leider erschwert. Mit meiner Familie und meinem engeren Freundeskreis habe ich allerdings sehr viel Glück, da der Großteil sehr offen dem Veganismus gegenüber ist. Meine Eltern sind omnivor, aber unterstützen mich voll und ganz und finden es gut, dass ich trotz Kritik anderer meinen Überzeugungen treu bleibe.

Und doch sind die meisten Reaktionen im restlichen Umfeld zu einem Großteil negativ. Das liegt daran, dass die meisten Personen sich nicht hinreichend zu diesem Thema informiert haben. Wenn mensch versucht seinen Standpunkt näher zu bringen, verschließen sie die Ohren und bleiben überzeugt davon, sie würden keinem Tier oder der Umwelt schaden. In solchen Situationen ist es wichtig ruhig zu überlegen und einzuschätzen, wie viel Sinn es macht weiter darauf einzugehen.

Negative Erfahrungen

Eine Freundin hat zum Beispiel mit den Worten „Sorry Franzi, aber ich finde das einfach nur überflüssig“ reagiert. Sie ist eigentlich eine Person, die offen für die Meinung anderer ist, aber früher schon öfter hat durchblicken lassen, dass sie für den Veganismus nichts übrig hat. So dachte ich mir, ist es bei ihr am sinnvollsten ein paar meiner wichtigsten Punkte anzubringen und zu hoffen, dass im Nachhinein vielleicht etwas hängen bleibt. Aber in dem Moment noch weiter auf das Thema einzugehen, kam mir eher destruktiv vor.

Bei einem Freund meiner Eltern hat mensch jedoch schnell erkannt, dass jegliche Bemühungen sinnlos wären. Er ist von haus aus eine Person, die etwas gegen jede Ansicht hat, die nicht seine eigene ist. Daher habe ich mir einfach seinen Kommentar: „Ich bin ja froh, dass es Veganer gibt. Die essen mir mein Fleisch nicht weg“ angehört und das Gespräch danach an jemand anderen gewandt. Natürlich habe ich nicht nur negative Erfahrungen gemacht (auch wenn ich noch eine Reihe an Beispielen für die Ignoranz einiger Mitmenschen hätte).

Positive Erfahrungen

Mein Vater ist, wie schon erwähnt, omnivor und wollte natürlich auch meine Beweggründe erfahren. Als ich ihm diese näher gebracht habe, hat er sich alles in Ruhe angehört. Am Ende stimmte er sogar in einigen Punkten zu. Auch der Rest meiner Familie hat kein Problem damit, wenn jetzt mehrere Abendessen bei uns jetzt mit Alternativprodukten zubereitet werden. Hierbei bin ich auch sehr froh um meine Mutter, da sie mit keinem Wort meine, es sei zu kompiliert. Sie stellte sich sofort darauf ein und war sogar froh darüber, da ich nun auch öfter kochen werde.

Am meisten hat mich jedoch die Reaktion einer anderen Freundin gefreut, die selbst schon überzeugte Vegetarierin ist. Sie war so begeistert über die vielen alternativen Möglichkeiten, dass sie nun selbst auch überlegt vegan zu werden.

Also lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr mit sehr viel Kritik konfrontiert werdet, denn durch solche Erfolge ist es das alles wert. Außerdem geht es nicht darum, was die anderen von euch denken, sondern ob ihr mit eurer Lebensweise und eurem Gewissen zufrieden seid. Angefangen habe ich mit der Intension, das nur für zwei Wochen zu probieren. Zuerst dachte ich auch länger könnte ich das gar nicht. Nun habe ich aber gesehen, wie einfach es ist vegan zu leben, wie gut es meinem Gewissen und auch meinem körperlichen Wohlbefinden geht. Daher bin ich schon nach einer Woche zu dem Entschluss gekommen, auch nach dem Praktikum weiterzumachen. Ich hoffe, ich konnte euch dazu inspirieren, es auch einmal zu probieren und euch ein eigenes Bild zu verschaffen. Denn es gibt kein `Ich kann nicht´, sondern nur ein `Ich will nicht´.



Franziska

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Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit. (Albert Schweitzer)
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