Vegan in der Schule? Wie überleben?

Dass mensch sich als Veganer_in manchmal von anderen, die sich omnivor ernähren, dumme Kommentare anhören muss, kennt sicher jede_r Veganer_in. Doch wie sieht es eigentlich als Schüler_in aus? Hier ein kleiner Einblick in die Schulwoche einer vegan lebenden Person.

Montag

Du kommst verschlafen ins Klassenzimmer. Bis auf deine Freund_innen wissen die meisten deiner Klassenkamerad_innen nichts von deinem „kleinen Geheimnis“, da du eben nicht jeden Tag allen erzählst, dass du Veganer_in bist. Trotzdem starren dich heute alle an, weil du eine riesige Tupperbox dabei hast. Auf einige neugierige Fragen und Blicke musst du den ganzen Tag sämtlichen Leuten erklären, dass du kleine Snacks für deine Seminararbeitspräsentation dabei hast. Auch tagsüber verteilst du schon ein paar davon, sogar einigen Lehrer_innen gibst du was ab. Von ihnen bekommst du überwiegend positives Feedback. Endlich ist es soweit, dein Vortrag beginnt. Das Thema deiner Arbeit ist „nachhaltiger Konsum“, und neben dem Aufzeigen von Umfrageergebnissen, Bildern und Statistiken holst du schließlich die Box hervor. Während du die Brötchen mit veganem Wurst- und Käsebelag austeilst, erklärst du, dass bei einer fleischlosen Ernährung viel Wasser, Anbaufläche und Energie gespart wird und dass diese deshalb umweltschonender und nachhaltiger ist. Nach dem Vortrag hörst du verschiedene Meinungen über die Verkostung. Die einen fanden es eklig, anderen hat es so gut geschmeckt, dass sie wissen wollen, woher du die Sachen hast. Du verteilst Links zu einem veganen Online-Shop.

Dienstag

Heute steht für die ersten beiden Stunden der Vortrag eines Ernährungsberaters auf dem Plan. Als am Ende die Möglichkeit besteht, Fragen zu stellen, erkundigst du dich bei dem Herrn, was er von veganer oder vegetarischer Ernährung hält. Er antwortet, dass mensch sich vor Veganer_innen ja heutzutage kaum noch retten könne (offensichtlich fühlt er sich von uns bedroht!) und erzählt dir schließlich von Leuten, die nur Äpfel essen, die bereits vom Baum gefallen sind. Folge: Alle sind eingeschlafen und deine Freundin hat Rückenschmerzen, weil sie vor Lachen rückwärts von der Bank gefallen ist. Endlich Pause. Du gehst zum Direktorat und frägst die stellvertretende Schulleiterin, ob du Anti-Pelz-Flyer auf dem Info-Tisch vorm Sekretariat auslegen darfst. Zu deiner Verwunderung bekommst du ein Lob für dein Engagement für Tiere. Anschließend steht Kunstunterricht an. Prompt ermahnt dich dein Lehrer, dass du noch ein Bild abgeben und du dein “Wurstbrot” wegpacken sollst, während er auf dein Tomate-Basilikum-Brot zeigt. Deine Freundin ermahnt ihn schon mit „Oh, das hätten sie nicht sagen sollen!“ und du erklärst ihm, dass du dein Bild jetzt nicht abgibst, weil du dich beleidigt fühlst. Nebenbei teilst du das Brot mit deiner Freundin.

Mittwoch

Doppelstunde Deutsch und dein Gedichtreferat steht an. Du hast dich für „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke entschieden und betonst bei jedem zweiten analysierten Stilmittel, dass es das eintönige, triste Leben eines Panthers im Zoo unterstreicht. Als dich deine Lehrerin anschließend auf deine Meinung anspricht, fügst du schnell noch einen Kurzvortrag zur Ausbeutung von Tieren zu Unterhaltungzwecken hinzu. In der Mittagspause bekommst du ein Gespräch mit, bei dem es um vegane Ersatzprodukte geht. Die Teilnehmer_innen können nicht verstehen, warum mensch sowas isst. Du setzt dich zu ihnen und erklärst ihnen freundlich, dass manche Leute zwar den Geschmack von z.B. Wurst mögen, aber kein Tierleid unterstützen möchten. Ganz überzeugt scheinst du sie nicht zu haben, trotzdem gehst du weiter zu deinen Freund_innen. Als die dich fragen, ob du mit in die Mensa willst, lehnst du dankend ab und holst deinen Linsensalat raus. Erst scheinst du mit Linsen ein unbekanntes Objekt in die Gesprächsrunde geführt zu haben, doch nachdem einige probiert haben, beneiden sie dich um dein leckeres Essen.

Donnerstag

Eine Freundin hat Geburtstag und du hast Cupcakes mitgebracht. Als du diese in der Pause verteilst, bekommst du von den meisten Komplimente, nur ein Mädchen zeigt sich skeptisch: „Kann man das auch wirklich essen?“ will sie wissen und fügt hinzu „Weißt du, ich bin ziemlich empfindlich, was Essen angeht, als ich letztens bei Mc Donald’s war, hatte ich danach auch Bauchschmerzen“. Bevor du etwas entgegnen kannst, sagt deine Freundin bereits, dass die Muffins sehr gut schmecken würden und sie sie unbedingt probieren solle. Da du letzte Woche krank warst, musst du nach der Schule Mathe-Klausur nachschreiben. Während du über den Aufgaben brütest, packt die Aufsicht plötzlich eine Leberkässemmel aus. Du versuchst, deine Muffinbox näher an dich ranzuziehen und hoffst, dass der Himbeercreme-Duft den Gestank übertönt, aber vergebens. Du bereust, dir einen Platz in der ersten Reihe ausgesucht zu haben.

Freitag

Du sollst in Religion ein Referat zum Thema „Ethische Probleme“ halten und hast dir „Bekleidungsindustrie“ ausgesucht, wobei es bei dir zu 90% um Pelz und Leder geht. Als du eine Folie mit Bildern von lebendig gehäuteten Waschbären und abgemagerten Kühen, die in Blutlachen liegen, auflegst, sagt deine Lehrerin in der letzten Reihe: „Ja, schaut’s nur hin, das sind schlimme Bilder!“. Es ist das erste Mal, dass du etwas sinnvolles von ihr hörst. Obwohl du dir etwas mehr schockierte Blicke erhofft hast, verzieht der Rest der Klasse jedoch keine Miene. In Französisch erklärt deine Lehrerin, dass sie Anfang nächster Woche Croissants und französischen Käse mitbringen möchte und frägt, wer wieviel von was will. Als du daraufhin sagst, dass du nichts essen möchtest, wirst du natürlich gefragt, ob du Veganer_in bist. Dein Geheimnis ist gelüftet. Wie erwartet folgt gleich ein „Und was isst du dann?“ von deiner Lehrerin und du zählst zwei Minuten lang deine Lieblingsgerichte auf. Endlich ist Schulschluss und wie durch ein Wunder hast du die Woche überlebt.

Ihr seht, es ist gar nicht mal so schwer, sich als Veganer_in durch die Schulwoche zu schlagen. Natürlich muss mensch sich auch in der Schule manchmal dumme Sprüche anhören, aber wenn ihr gelassen darauf reagiert, trotzdem freundlich bleibt und ggf. irgendwas Witziges zurückgebt, ist das halb so schlimm. Da aber die meisten Schulmensas kaum vegane Gerichte anbieten, sollte mensch sich immer selbbst etwas zu Essen mitbringen und nach und nach die Mensa veganisieren. Beharrlichkeit zahlt sich aus! Go for it!


Jedes Jahr werden über 60 Milliarden sogenannter „Nutz“tiere getötet, um sie zu verzehren. Hinzu kommen Milliarden Fische und andere Meeresbewohner_innen. Die meisten dieser Tiere finden einen grausamen Tod nach einer kurzen und meist qualvollen Existenz – denn ein Leben ist es nicht. Dabei steht längst fest, dass der Konsum tierischer Produkte Tier, Mensch und Natur schadet. Knapp 100 Tiere rettet jährlich, wer sich für eine vegane Ernährung entscheidet. Jede_r hat die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Probiert rein pflanzliche (vegane) Lebensmittel – für Tier, Mensch, Natur und euch! Informiert euch & andere!



Larissa

Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse deine Spur. (Jean Paul)
Larissa

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