Vegan, veganer, am vegansten: Biovegane Landwirtschaft

Vegan ist nicht gleich vegan – wir können uns immer noch “steigern” und uns noch veganer ernähren. Das Maß hängt davon ab, ob wir konventionell, bio oder auch lokal konsumieren. Doch auch diese pflanzlichen Lebensmittel sind meist Teil von tierischer Landwirtschaft: Landwirt_innen (vor allem kleinere Höfe) betreiben nicht entweder “Viehwirtschaft” oder Ackerbau, sondern meist beides. Mit dem Ackerbau lässt sich nämlich vor allem ein Problem der tierischen “Erzeugung” lösen: die Gülle. Diese wird auf den Feldern als Dünger verwendet und proklamiert wird dann das Trugbild eines vermeintlich natürlichen Kreislaufs. Was ist der Haken an der Sache und ist die biovegane Landwirtschaft die Alternative?

Nein zu Gülle, Ja zur Landwirtschaft ohne Tiere!

Gülle als Düngemittel entwickelt sich fortschreitend zu einer ökologischen Katastrophe. Es gab bereits den sogenannten “Gülle-Notstand“, die Felder sind übersättigt mit tierischen Exkrementen und die Nitrat-Werte im Grundwasser übersteigen die EU-Grenzwerte bei 18% der heimischen Vorkommen. Sogar der Europäische Gerichtshof fällte deshalb vor Kurzem ein Urteil gegen Deutschland. Nicht nur Gülle wird meist als Dünger für pflanzliche Produkte verwendet, sondern auch Hornspäne und Blutmehl – beides Abfallprodukte der Tierindustrie, die oft zahllose Keime, Antibiotikareste und Schwermetalle enthalten. Meist stammen die tierischen Düngemittel noch nicht einmal vom eigenen Hof, sondern werden extra gekauft, oft aus dem Ausland importiert und Biohöfe benutzen nicht selten Dünger aus der konventionellen “Nutztierhaltung”. Dieser archaischen Methoden entledigt, wendet sich die biovegane Landwirtschaft rein pflanzlichen Düngemitteln zu – und unterstützt auf diesem Wege tatsächlich in keiner Weise industrielle Tierausbeutung.

Rein pflanzlich düngen – wie?

Statt synthetischer Düngemittel wird durchwegs Kompost verwendet, der vom Hof selbst “produziert” wird. Um ein funktionales Düngemittel zu erhalten, werden stickstoffhaltige Komponenten, wie Gemüseabfälle und Gras mit kohlenstoffhaltigen, wie Stroh vermischt. Auch für schädigende Pestizide gibt es Alternativen, wie zum Beispiel der Anbau in ausgewogenen Fruchtfolge-Rotationen, die Befalls- und Schädigungszyklen brechen; die Bereitstellung von dauerhaften Predatoren-Gürteln, mit ungestörten Bereichen mit ausdauernden Pflanzen, Büschen und Bäumen; und physische Barrieren mit Netzen oder Vliesen. Wirklich vegane Landwirtschaft funktioniert folglich und ist kein utopisches Hirngespinst – der Pflanzenanbau wird entindustrialisiert und kleinstrukturierte landwirtschaftliche Gefüge als Alternative zu großen Monokulturen etabliert.

Wo finde ich bioveganes Gemüse?

Hier gibt es eine Auflistung von bioveganen Höfen in Deutschland. Wenn es bei euch in der Nähe keine gibt, lohnt es sich, beim nächstgelegenden Bio-Gemüse-Hof oder einer SoLaWi nachzufragen, ob sie sich an den bioveganen Standards orientieren. Wenn nicht, bewirkt konstruktive Kritik im besten Fall ein Wunder. Zudem gibt es hier noch weitere Tipps, wie ihr an biovegane Lebensmittel herankommt. Möglicherweise habt ihr sogar Glück und findet in der Gemüseabteilung eures Bio-Ladens dieses Siegel!

Nur noch beim bioveganen Hof einkaufen?

Ob es derzeit verwerflich ist, nicht ausschließlich biovegan, sondern auch vegane Produkte “nur” nach konventionellen oder bio Standards einzukaufen, ist eine Frage, die jede_r für sich selbst beantworten muss. Es ist wichtig, langfristige Alternativen zu unterstützen, zeitgleich aber auch nicht schädlich, die eigene Nachfrage zu nutzen, um die bestehenden Verhältnisse von innen heraus zu ändern. Kaufen wir also rein pflanzliche Lebensmittel aus üblichen Betrieben, setzen wir nicht nur mit dem Boykott tierischer “Produkte” ein Zeichen, sondern auch damit, dass die Anfrage pflanzlicher Produkte steigt und diese im Verhältnis zu den tierischen, vermehrt produziert werden sollen. Trotzdem ist die biovegane Landwirtschaft, die wohl einzig durchgehend nachhaltige und ethisch vertretbare Methode, Lebensmittel anzubauen. Innovative Alternativen können erst dann im großen Maße angestrebt werden, wenn sie parallel zum bestehenden System vorhanden sind und als Vorbild fungieren. Deshalb: Unterstützt biovegane Höfe in eurer Region!



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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