“Veganer sind Extremisten” – Offener Brief an Heino Ferch

Sehr geehrter Herr Ferch,

wir kennen uns nicht. Sind uns noch nie begegnet. Und trotzdem erdreisten Sie sich, sich eine Meinung über mich zu bilden. Sie nennen mich eine Extremistin, weil ich es vorziehe, auf tierische Produkte zu verzichten. Sie nennen mich eine Extremistin, weil ich nicht länger ein System unterstütze, das Tiere quält, ausbeutet, missachtet und tötet. Sie nennen mich eine Extremistin, weil ich nicht länger Teil des “Mainstreams” bin und Tiere für mich nicht mehr Ware und Mittel zum Zweck sind.

Ich würde mir nie anmaßen, Ihnen einen Stempel aufzudrücken, weil Sie es offensichtlich in Ordnung finden, welchen Status (“Nutz”)Tiere in unserer Gesellschaft haben und wie mensch mit ihnen umgeht. Ich würde Ihnen niemals einen Stempel aufdrücken, weil Sie nicht das grauenhafte System der Tierausbeutung als extrem bezeichnen, sondern die Menschen, die es ablehnen. Sie haben die Patenschaft für ein Löwenbaby des Circus Krone übernommen. Auch hier könnte ich Ihnen einen Stempel aufdrücken. Denn es sagt viel über einen Menschen aus, wenn er Freude daran hat, sich mit einem Raubier, das eigentlich in die freie Wildbahn gehört und nicht hinter Gitterstäbe und in die Manege, im Zirkus ablichten zu lassen. Aber ich drücke Ihnen diesen Stempel nicht auf. Weil ich Sie nicht kenne, nie mit Ihnen gesprochen und keine persönlichen Eindrücke von Ihnen habe. Ich stelle Mutmaßungen an, mache mir ein gedankliches Bild und weiß nicht, ob ich damit richtig liege. Deswegen lasse ich die Schublade, in die ich Sie gerne stecken würde, weit offen, auch wenn es schwer fällt.

Sie waren selbst auch mal Vegetarier, so liest mensch in den unterschiedlichsten Medien. Ein Schritt, den Sie wieder zurückgenommen haben. Es ging Ihnen wohl nicht gut damit. Ich weiß nicht warum und ich weiß nicht, was Sie bewogen hat, Ihre Entscheidung zu revidieren. Ich weiß nur, dass ich Ihre Entscheidung akzeptiere. Ich muss (und kann) sie nicht verstehen, ich muss (und kann) sie nicht bewundern – ich muss sie einfach so hinnehmen. Genau wie Sie die Lebenseinstellung anderer Menschen, die für sich den Weg der tierleidfreien Ernährung gewählt haben, auch zu akzeptieren und – vor allen Dingen – zu respektieren haben.

Ich weiß, was Respekt und Achtung bedeuten und was Verallgemeinerungen in der Regel bewirken. Das Wort “extrem” bedeutet bis an den äußersten Rand zu gehen. Tun Sie das nicht, wenn sie eine Rolle so richtig gut spielen wollen? Geben Sie dann nicht ihr Äußerstes? Würden Sie in Sachen Menschenrechte nicht hinter allem stehen, was Leben rettet und Leid vermeidet oder sollte mensch da auch unaufgeklärt und abwertend von “Extremismus” reden, wenn sich jemand für eben diese Rechte stark macht?

Herr Frech, ich habe Sie immer als ausgezeichneten Schauspieler geschätzt. Vielleicht sollten Sie sich in Zukunft auch privat eine neue Rolle zulegen – die eines Menschen mit Empathie, Verständnis, Toleranz und Akzeptanz. Die eines Menschen, der nicht von eigenen gesundheitlichen Fehlerfahrungen auf andere schließt und diesen gerneralisierend unterstellt, sie wüssten nicht, was sie tun. Wie wollen sie “das alles kennen”, wenn Sie sich mit derartigen Sätzen dem allem von vornherein grundlegend verschließen? Aber Sie wissen bestimmt, was ich meine, sie kennen ja alles. Darauf will ich bauen und lade Sie hiermit ein, mal mit uns “Extremisten” zu plaudern, vegan zu kochen und zu essen. Kontakt baut Vorurteile ab. Sie werden sehen, das wird nicht ihr Untergang, sie werden meer wollen, in das Thema eintauchen und darin komplex baaden, dafür kann es garnicht so sein, dass das Leben zu lang ist. Schreiben Sie mir!

Alles Gute!



Michaela

Michaela

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)
Michaela

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