Vor der Anklagebank – doch wer? Tierrechtsaktive vs. Tierausbeutende

Tierrechtsaktivist_innen, die untragbare Missstände in der “Intensivtierhaltung” dokumentieren, werden nur allzu oft kriminalisiert und wegen “Hausfriedensbruch” angeklagt. Offensichtlich ist hierbei, dass der Einsatz für maßlos leidende Mitlebewesen viel höher und wichtiger zu gewichten ist als der Hausfriedensbruch – das unerlaubte Eindringen auf Privatgrundstücke. Hier stehen sich die Interessen von Opfern und die von Betriebsbesitzer_innen gegenüber, deren primäre Wünsche höhere Produktion und Profitmaximierung sind. Lächerlich, dass in einer vermeintlich modernen Gesellschaft noch gefragt werden muss, welche der beiden Interessen von höherer Priorität ist.

Freispruch für Tierrechtsaktivist_innen in Magdeburg

Nachdem die Staatsanwaltschaft gegenüber dem Freispruch Berufung eingelegt hatte, standen Anfang Oktober erneut drei Tierrechtsaktivist_innen von ARIWA (Animal Rights Watch) vor der Anklagebank. Sie waren in eine Schweinezuchtanlage eingedrungen, um die dortigen untragbaren Missstände zu dokumentieren. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen Hausfriedensbruch vor, doch letztendlich entschied der vorsitzende Richter zugunsten der Tierrechtler_innen: Sie wurden freigesprochen, da bei Nichteingreifen der Behörden und des Staates der Hausfriedensbruch gerechtfertigt sei und die Motivation der Angeklagten die richtige gewesen sei. Leider ist es noch zu früh, um einen Erfolg zu feiern: Die Staatsanwaltschaft widerspricht erneut. Revision wurde eingelegt und der Fall wird erneut geprüft.

Fragliche Argumente seitens der Tierschutzgegner_innen

Der Bauernverband beharrt vehement auf dem Schutz des Eigentumsrechts und schließt daher den Hausfriedensbruch als berechtigte Maßnahme kategorisch aus. Aufgrund dieses Urteils hinterfragt er sogar die Rechtsstaatlichkeit – wieso? Das frage ich mich auch. Die marginale Verletzung des Eigentumsrecht scheint wohl über allem anderen zu stehen. Absurd ist diese Aussage vor allem im Anbetracht der Tatsache, dass die “gehaltenen” Tiere noch nicht einmal über ein Eigentumsrecht über ihren eigenen Körper verfügen. Sie werden als Ware behandelt, aller ihrer Rechte beraubt und bedenkenlos konsumiert sowie weggeworfen. Und hier soll das Eigentumsrecht der Betriebsbesitzer_innen übergeordnet sein?

Professor für Staatsrecht kritisiert ebenfalls das Urteil

Der Professor für Staatsrecht, Joachim Renzikowski, verallgemeinert dieses Urteil: Laut ihm wäre die Konsequenz, dass “Einzelne Staatsaufgaben übernehmen dürfen, wenn staatliche Behörden versagen.” Im Umkehrschluss stellt sich die Frage: Soll jede_r Einzelne etwa tatenlos zusehen und wissentlich vorhandene Missstände ignorieren? Wenn die Behörden versagen, bringt es nichts zu behaupten, “Tierschutz sei Behördensache”. Sich selbst zu engagieren sollte nicht als kriminell diffamiert, sondern begrüßt werden. Sobald Missstände unter den Teppich gekehrt werden, muss auf unterer Ebene gehandelt werden – derartiges Handeln macht uns letztlich zu mündigen Bürger_innen.

Wer sollte vor der Anklagebank stehen?

Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sind in Betrieben der “Intensivtierhaltung” keine Seltenheit – im Gegenteil: Sie stehen an der Tagesordnung. In der von den Aktivist_innen dokumentierten, mit 63.000 Tieren besetzten, Zuchtanlage wurden beispielsweise Kastenstände entdeckt, deren Maße die gesetzlichen Vorschriften weit unterschritten. Spitze der Absurdität ist, dass bei derartigen Missständen die Menschen vor der Anklagebank stehen, die sie aufdecken und nicht die, die sie verursachen. Ein verdrehtes ethisches Bewusstsein in unserer Gesellschaft wird hierbei nur allzu deutlich: Täter werden geschützt, Opfer ignoriert.

Mensch kann nur hoffen, dass wir so bald wie möglich auch geistig im 21. Jahrhundert ankommen und uns auf die Seite der gequälten und misshandelten Kreaturen stellen. Zwar sagt das Tierschutzgesetz deutlich, dass Tierquälerei dort ist, wo “aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden [zugefügt werden].” (§ 17 TierSchG) – bis derartiges wirklich tatkräftig verhindert wird, liegt jedoch noch ein langer Weg vor uns.

Jede_r Einzelne kann etwas tun!

Jede_r hat die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Probiert rein pflanzliche (vegane) Lebensmittel – für Tier, Mensch, Natur und euch! Informiert euch & andere!



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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