Warum vegan ESSEN nicht genug ist und ich vegan LEBE!

Ich esse seit über fünf Jahren vegan. Genauso lange versuche ich auch mein Bestes, um vegan zu leben. Das is ein großer Unterschied, der leider noch immer nicht in der breiten Masse angekommen ist. Vegan ist in aller Munde. Im wahrsten Sinne des Wortes. Spätestens seit dem vegane Kochbücher in den Buchhandlungen nicht mehr in der hintersten Ecke verstauben. Die große Nachfrage hat es geschafft, dass ihnen sogar eigene Regale reserviert werden. Ich freue mich über diesen Trend. Wirklich sehr. Doch leider sind die meisten, die eben dem „Trend“ folgen, aus gesundheitlichen Gründen vegan. Sie ernähren sich so, weil es ihnen und ihrem Körper gut tut. Daher möchte ich hier darüber schreiben, warum zu „vegan“ für mich mehr gehört als „nur“ so zu essen.

Die gesundheitlichen Gründe will ich keinesfalls schmälern. Ja, eine ausgewogene und geplante vegane Ernährung ist garantiert gesünder als das, was die_der Otto Normalverbraucher_in zu sich nimmt. Auch ist es schön, wenn mensch sich aus umwelttechnischen Gründen vegan ernährt. Eine Kuh trinkt am Tag 115 – 150 Liter Wasser. Für einen Liter Kuhmilch werden somit 1.000 Liter Wasser benötigt. Zahlen, die auch „Cowspiracy“ benennt – ein Film, den ich jeder_jedem ans Herz legen will.

Mein Grund für eine vegane Ernährung sind jedoch die Tiere, die nichtmenschlichen wie die menschlichen. Ich lebe vegan für sie. Und hier reicht es meiner Meinung nach nicht aus, zu sagen: „Ich trinke keine Kuhmilch mehr“. Denn auch für Leder werden Kühe getötet. Schon zum Ende meiner vegetarischen Seifenblase hin – ich habe mich von meinem neunten bis 29. Lebensjahr vegetarisch ernährt – habe ich keine Lederwaren mehr gekauft. Jahrelang lebte ich in dem Irrglauben, dass Leder lediglich ein Abfallprodukt aus der Schlachtung von Rindern sei. Der Film Earthlings (den anzusehen ich nur dann empfehlen kann, wenn keine Kinder in der Nähe sind) hat mir die Augen geöffnet. Denn es macht keinen Sinn, Alternativen für Kuhmilch zu kaufen und dabei Lederschuhe und eine Ledertasche zu tragen. Ganz ehrlich: Ich finde meine eigene Haut an mir schön. Aber die von anderen LEBEwesen möchte ich nicht zur Schau stellen. Pelz war für mich noch nie ein Thema. Jeden Winter bin ich aufs Neue dankbar für die geniale Arbeit, die ANIMALS UNITED zu diesem Schwerpunkt leistet. Und: Wer braucht bitte Stoffe wie Schafswolle, Kaschmir oder Angora? Sogar für Seide gibt es wunderbare Alternativen aus pflanzlichen Quellen!

Nein, ich möchte nicht, dass Tiere für meine Kleidung gequält, missbraucht, vergewaltigt und getötet werden. Das Gleiche gilt übrigens auch für Menschen. Das ist der Grund, weswegen ich vegan, bio und fair gehandelt einkaufe. Zu jedem Produkt will ich nicht „nur“ hinerfragen, was es enthält, sondern auch, wer es hergestellt hat. Zum Glück gibt es in größeren Städten mittlerweile genug Einkaufsmöglichkeiten. Und durch das Internet auch keine Ausrede mehr, wenn mensch außerhalb lebt. Doch auch fernab der Mode kann mensch sich so ausstatten, dass keine Tierrechte verletzt werden. Mein Bettzeug ist nicht aus Daunen von Enten oder Gänsen, die Couch nicht aus Kuhleder. Wer einen kleinen Rundgang durch meine Wohnung machen möchte, den lade ich hier gerne dazu ein. Schnell wird klar: Auch Putzmittel in der Küche oder Kosmetik im Bad gehören zu einem veganen Leben dazu. Tierversuche und Inhaltststoffe tierischen Ursprungs sind leider allgegenwärtig. Auch an und in Dingen, die mensch keinesfalls für möglich gehalten hätte.

So bin ich auch nach mehr als fünf Jahren veganem Leben immer wieder erstaunt darüber, weitere „Fallen“ zu entdecken. So ist mir kürzlich, im Zuge meiner Ausbilung zur Yogalehrerin, erst wieder wirklich bewusst geworden, wie sehr andere Menschen in die Herstellung von Kuhmilch, Fleisch oder Kleidung verwickelt sind. Sie machen diese Jobs, damit die Verbraucher_innen im Supermarkt oder Modegeschäft nicht damit konfrontiert werden. Sondern sich lächelnd die Bärchenwurst oder die Kinderjacke mit Pelzkragen aus Hund einpacken können. Sollte es also Mitmenschen geben, die fest von sich behaupten, dass ihnen die Tiere absolut egal sind (was für mich lediglich ein Wegschauen ist) – so kann ein Hinweis auf die Menschen, die hinter all den Produkten, die aus Tieren „produziert“ werden, stehen, nicht schaden.

Mit einigen Überlegungen und etwas Planung kann mensch absolut problemlos einen Schritt weiter gehen: Weg von „ich esse vegan“ hin zu „ich lebe vegan“. Für die Tiere – und unsere Mitmenschen.


Claudia ist Yogini, Bloggerin, Beraterin und Autorin. Sie war 20 Jahre Vegetarierin und lebt nun seit fünf Jahren vegan. Mehr über Claudia und ihre Arbeit erfahrt ihr auf ihrer Seite und in ihrem Blog!



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"Es macht keinen Sinn, Alternativen für Kuhmilch zu kaufen und dabei Lederschuhe und eine Ledertasche zu tragen."

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© Foto: Mathias Leidgschwendner
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