Wenn die von “oben” nichts tun, wer dann?

Familienbesuch bei den Großeltern: Es wird in gemütlicher Runde zu Abend gegessen, im Hintergrund läuft der Fernseher. Eine Reportage zu den katastrophalen Missständen in der Intensivtierhaltung wird ausgestrahlt. Mein Großvater ist empört: “Da muss doch endlich Mal etwas getan werden, gibt es denn keine Gesetze?” – und beißt nach kurzem Zögern unbeirrt genüsslich in sein Wurstbrot.

Vom kollektiven “Schuld-in-andere-Schuhe-schieben”

In unserer Gesellschaft herrscht eine Mentalität, die immerzu die Verantwortung von sich selbst abweist und an höhere Instanzen weitergibt. Jede_r erwartet das Eingreifen “von oben”. Auf staatliche Instanzen ist jedoch kein Verlass: Entweder schieben auch sie die Verantwortung auf die von “oben” oder handeln zutiefst fahrlässig. Veterinärämter verstecken sich hinter den gesetzlichen Restriktionen, Veterinäre lassen bewusst Tierquälerei zu, Kennzeichnungen lügen uns etwas von “Tierwohl” vor. Dass Gesetze vorsätzlich missachtet werden, oder bei den bestehenden Strukturen gar nicht befolgt werden können, zeigt wohl das Paradebeispiel Schwanzkupieren bei Schweinen. Seit mehr als zwanzig Jahren ist das betäubungslose Abschneiden der Ringelschwänze auf EU-Ebene verboten. Doch das triste, monotone Dasein in den Schweinemastbetrieben lässt das Befolgen der Richtlinie nicht zu: Gequält von Langeweile beißen sich die Schweine die Ringelschwänze gegenseitig ab. Was zeigt uns das? Auf staatlicher Ebene werden primär Symptombehandlungen durchgeführt. Was nachhaltig geändert werden muss ist die Ursache, und die sind wir – jede_r Einzelne von uns.

Unser innerer Widerspruch

Wir schieben die Verantwortung nicht nur auf höhere Instanzen, sondern sind auch mit uns selbst nicht einig: Tierquälerei finden wir schlecht, aber das soll uns unseren Hackbraten nicht verbieten. Was uns unterbewusst wirklich stört, ist: Wir wollen nicht wahrhaben, dass wir als Gesellschaft den Missbrauch von Tieren zu unseren Gunsten längst überwunden haben sollten. Schon lange sind wir nicht mehr darauf angewiesen: Wir benötigen weder Fleisch für unsere Ernährung noch gequälte Tiere im Zirkus, die unserer Unterhaltung dienen. Wir wollen uns selbst nicht eingestehen, dass wir in unserem Handeln noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Statt die Ausbeutung von Tieren zu überwinden, haben wir sie in den letzten 100 Jahren vielmehr optimiert und industrialisiert: Resultat ist die Intensivtierhaltung, welche der Großteil der Bevölkerung verabscheut. Erst diese abartige Zuspitzung von Tierquälerei bringt uns endlich dazu, das bestehende Mensch-Tier-Verhältnis zu hinterfragen. Die Menschen möchten die Intensivtierhaltung nicht unterstützen, doch Tiere essen und ausbeuten scheint in Ordnung zu sein, solange wir es “richtig” machen.

Die von “oben” tun nichts – also sind wir an der Reihe!

Was können wir alle tun, wenn die staatlichen Instanzen versagen und Tierquälerei in industriellem Maßstab zulassen? Nicht nur jammern und klagen, sondern selbst handeln! Wir alle haben ein immenses Handlungspotential, das wir nur aufgrund unserer Gemütlichkeit und Gewohnheit nicht ausschöpfen: Boykott und Protest! Wenn wir endlich dem Herumgeschiebe der Verantwortung und dem eigenen Zwiespalt ein Ende bereiten wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als “Produkte”, die auf Tierausbeutung basieren, zu boykottieren!

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Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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