Wissenschaftsallianz wirbt bunt-fröhlich für Tierversuche

„Tierversuche verstehen – Eine Informationsinitiative der Wissenschaft“, so lautet der Name einer Internetseite, die von einer Initiative der deutschen Wissenschaft ins Leben gerufen wurde, um über die “Notwendigkeit” von Tierversuchen zu “informieren”. Koordiniert wird sie von der sogenannten “Allianz der Wissenschaftsorganisationen”. Sie ist laut ihrem Selbstverständnis ein Zusammenschluss der “bedeutendsten” Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland. Mitglieder der Allianz sind die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Leibniz-Gemeinschaft (WGL), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Wissenschaftsrat (WR). Ihr aller Ziel: Grausame, unnötige und unübertragbare Tierversuche als positiv und wichtig zu vermarkten.

Eine fröhliche Homepage verschleiert die Wahrheit

Die Forscher_innen möchten mit jener Homepage etwas mehr Transparenz schaffen. Aber dann doch nicht zu viel. Denn Bilder oder gar Videos von den Versuchen selbst sind dort nicht zu finden. Ebenso wenig wird der genaue Versuchsablauf erklärt. Natürlich nicht, die Leser_innen sollen ja nicht abgeschreckt werden. Und das würde bei echter Transparenz unweigerlich passieren. Stattdessen gibt es auf den bunten Seiten Bilder von farbenfrohen Fischen, einem Nacktmull, Menschen, die eine Maus auf der Hand sitzen haben oder ein Kaninchen halten. Das Logo zeigt bunte Zeichnungen von der Silhouette eines Menschen, umgeben von Silhouetten verschiedener Tiere und einer DNA Kette. Alles vermittelt einen positiven Eindruck.

Google Street View im Mäusekopf

Ich habe mir ein paar der Artikel auf dieser Seite mal durchgelesen. Die Aussage “Wie Google Street View im Mäusekopf” fand ich dabei schon sehr befremdlich. Das Gehirn einer Wüstenrennmaus so genau zu kennen, soll wichtig sein, da es dem menschlichen Gehirn so ähnlich ist. Ähnlich bedeutet aber gleichzeitig, dass es nicht exakt gleich ist. Was also bringen diese Erkenntnisse?

In den Artikeln wird immer wieder betont, wie ähnlich uns die Tiere doch sind. Selbst bei den Fischen, da sie ja wie wir Wirbeltiere sind. Und wie wichtig und unumgänglich die Tierversuche für die Forschung sind und dass Alternativmethoden nicht ausreichen. Aber genauer erklärt oder begründet werden diese Behauptungen nicht. Auch wird immer wieder geschrieben, dass sich die Wissenschaftler_innen aus den Versuchen diese und jene Erkenntnisse erhoffen. Sie wollen mit den Versuchen Vorgänge im menschlichen Körper besser verstehen und sind davon überzeugt, den Menschen besser helfen zu können. Sicher – im Sinne von wissenschaftlich belegt – sind sie sich scheinbar nicht.

Tierversuche anstelle moderner Alternativmethoden

Wenn mensch bedenkt, wie lange an Tieren bereits geforscht wird (ungefähr seitdem der Mensch mit dem Forschen begonnen hat) und trotzdem gibt es noch etliche unheilbare Krankheiten. Da sollten doch Zweifel an den Forschungsmethoden aufkommen. Doch anstatt die Forschung an vielversprechenden Alternativmethoden voranzutreiben, um neue Wege zu beschreiten, wird krampfhaft an mittelalterlichen Methoden festgehalten. Und das, obwohl viele Fortschritte Untersuchungen an Menschen zu verdanken sind. Trotzdem werden deutschlandweit weiterhin Neubauten für noch mehr Tierversuche errichtet, wie z.B. in München. Dass München eine Tierversuchshochburg ist, merke ich auch, wenn ich mir die Stellenangebote im Laborbereich ansehe. Viele ausgeschriebene Stellen beinhalten Tierversuche. Gerade Bayern scheint hier Spitzenreiter. Wird in anderen Bundesländern nicht so viel an Tieren getestet? Woran liegt das? Sind die anderen Bundesländer vielleicht einfach neuen Methoden gegenüber offener?

Sind Tierversuche moralisch vertretbar?

Und natürlich muss mensch sich auch die Frage stellen, ob Tierversuche moralisch überhaupt vertretbar sind. Dürfen wir anderen Tieren solches Leid zufügen? Können wir dieses unsägliche Leid damit rechtfertigen, dass den Menschen eventuell möglicherweise geholfen werden könnte? Ich denke folgende Spruch, den ich sehr treffend finde, bringt es knackig auf den Punkt:: “Wenn Tiere so sind wie wir, sind Tierversuche untragbar. Wenn sie nicht so sind wie wir, dann sind Tierversuche sinnlos.” Weiterer Worte bedarf es nicht. Ebenso wenig bunter Homepages. Was wir brauchen, sind moderne Forschungsansätze, die gefördert werden und Menschen, die sich stark machen für die Stimmlosen in unserer Gesellschaft. Wir brauchen Wahrheiten statt bunter Behauptungen!



Sandra

Sandra

Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt. (Christian Morgenstern)
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