Zirkus prügelt Tierrechtler*innen mit Fäusten und Holzlatten krankenhausreif

Am zweiten April-Wochenende gastierte “Circus Granada” in Bassum, im Landkreis Diepholz in Niedersachsen – mit im Gepäck: etliche Tiere. Um gegen den Einsatz dieser zu demonstrieren, hatten wir am Samstagnachmittag zu einer friedlichen Mahnwache aufgerufen. Noch vor Beginn der angemeldeten Aktion dann der Eklat: Der Zirkusdirektor und sein Sohn entdecken Aktive von uns auf einem nahegelegenen Supermarktparkplatz und gehen auf sie los, sprechen Morddrohungen aus, schlagen sie mit der Faust und Holzlatten zu Boden. Passant_innen sind schockiert. Eine Aktivistin wird derart verletzt, dass sie wegen des Verdachts auf Gehirnblutungen ins Krankenhaus gebracht wird. Sie will Anzeige wegen versuchten Totschlags erstatten. Die Polizei muss mit mehreren Einsatzwägen anrücken, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Plötzliche Attacke auf dem Supermarktparkplatz

Am Samstag, den 7. April 2018, hatte wir zum friedlichen Protest vor dem auf dem Festplatz am Bassumer Bahnhof gastierenden “Circus Granada” aufgerufen. Rund 40 Tierfreund_innen sollten dem Aufruf folgen. Unsere Absicht: Eine Mahnwache abzuhalten, für einen Zirkus ohne Tiere. Denn “Circus Granada” hat Kamele, Pferde, Ponys aber auch Rinder, Esel und Hunde mit im Programm – Tiere, die keinen Spaß im Zirkus haben und mit psychischer und physischer Gewalt durch Dressur zu Kunststücken gebracht werden. Eine Meinung, die tier”haltende” Zirkusse nicht teilen. Dementsprechend hoch das Konfliktpotential. Bereits vor der für 14.30 Uhr angesetzten und behördlich genehmigten Mahnwache dann der Eklat. Einige der Teilnehmer_innen der Mahnwache haben gerade ihre Autos am nahegelegenen Supermarkt geparkt, als sie von den Zirkusmitarbeiter_innen entdeckt werden. Während unsere Aktiven die Polizei alarmieren und diese live am Telefon haben, kommt es zu den ersten Übergriffen.

Unglaubliche Szenen – Körperverletzung & versuchter Totschlag

Der Zirkusdirektor schlägt einer Aktivistin, die die Konfrontation mit ihrem Handy filmen will, mitten ins Gesicht. Sein Sohn schlägt einen der Aktiven vor etlichen Supermarktkund_innen mit der Faust zu Boden und tritt ihm in den Rücken. Der nächste bekommt eine Zeltstange auf den Kopf, bevor der Sohn des Zirkusdirektors in Windeseile aus dem Kofferraum seines Wagens eine dicke Holzlatte holt, von hinten auf eine der Tierrechtler_innen zuläuft und ihr diese mit den Worten “Jetzt bring ich dich um” mit voller Wucht über den Kopf zieht. Der Knall ist über den ganzen Parkplatz zu hören, die Holzlatte zerbricht, die Frau stürzt zu Boden.

Zwei kräftige Passanten eilen zur Hilfe, die Polizei trifft ein und die Zirkusleute fliehen in ihren Autos. Vier Polizeistreifen fahren umgehend zum Zirkusgelände, eine weitere Streife sowie ein Zivilfahrzeug bleiben vor Ort und rufen den Krankenwagen. Während Aussagen und Anzeigen aufgenommen und Zeug_innen verhört werden, geht der Krimi weiter, nun vor dem Zirkuszelt.

Obszönitäten & Morddrohungen vor dem Zirkuszelt

Unsere Aktiven vor Ort werden beleidigt und massiv bedroht, gar Morddrohungen werden ausgesprochen. Die Polizeibeamt_innen haben alle Mühe, den Zirkusdirektor und seine Familie unter Kontrolle zu halten. Diese geizen nicht mit Obszönitäten und beleidigen selbst die Polizist_innen immer wieder. Nach mehrfachen Mahnungen dann die Festnahme. Die Beamt_innen führen den Zirkusdirektor in Handschellen ab.

Das Fazit: Vier verletzte Tierfreud_innen, eine davon über mehrere Tage im Krankenhaus, um Gehirnblutungen auszuschließen, ein verhafteter Zirkusdirektor, mehrere Anzeigen, schockierte Supermarktbesucher_innen und Polizeibeamt_innen und eine abgesagte Vorstellung. Die Angegriffenen berichten von Kopfschmerzen, Schwellungen, Platzwunden und Gehirnerschütterungen, alle sind in ärztlicher Behandlung. Nichtsdestotrotz ließen wir uns nicht beirren. Wir hielten unsere Mahnwache – unter Polizeischutz – dennoch ab und brachten unsere Forderung nach einem tierfreien Zirkus zum Ausdruck.

Abstruse Aussagen des Zirkus – wir warnen vor dem Zirkus!

Was sich hier im Beisein schockierter Supermarktbesucher_innen in Bassum zugetragen hat, ist erschreckend, aber kein Einzelfall. Erst im Dezember vergangenen Jahres wurden unsere Aktiven von eben diesem Zirkus brutal angegriffen, musste die Polizei eingreifen. Der Zirkus ist behördlich kein Unbekannter und für uns ein klares Sicherheitsrisiko für jede Stadt, dennoch bekommt er weiterhin Gastspielgenehmigungen. Für uns völlig unverständlich.

Unter abstrusesten Behauptungen, wie Vergleichen zum dritten Reich, versucht der Zirkus uns als die Bösen und sich als Opfer hinzustellen. Unsere Videoaufnahmen sprechen jedoch für sich. Der Umgang mit Menschen lässt den Umgang mit den Tieren nur erahnen. Bassum muss ein Gastspielverbot aussprechen. Wir warnen ganz klar vor Circus Granada, auch alle kommenden Gastspielorte.

Tiere haben keinen Spaß im Zirkus!

Rund 1.500 Tiere fristen ihr Dasein in deutschen Zirkussen. Sie leiden unter den ständigen Transporten in engen Zirkuswagen und dem Stress in der Manege. Viele zeigen deutliche Verhaltensstörungen oder sind krank. Durchschnittlich bei etwa jeder zweiten behördlichen Kontrolle werden Missstände bei der Tier”haltung” festgestellt. Mehr als 20 EU-Länder haben sich bis dato entschieden, bestimmte Tierarten im Zirkus zu untersagen. Die Europäische Tierärztevereinigung sowie die Bundestierärztekammer und auch der Bundesrat haben sich bereits mehrfach für ein Wildtierverbot im Zirkus ausgesprochen. Ebenso die Mehrheit der Deutschen in repräsentativen Umfragen. Viele sind gar gegen jeglichen Tiereinsatz. Die Bundesregierung verharrt weiter tatenlos. Immer mehr Kommunen entscheiden sich daher eigenständig für lokale Verbote, die immer wieder von Zirkussen angefochten werden. Eine bundesweite Regelung ist unabdingbar, um dem Tierschutz endlich Rechnung zu tragen.

Unser Kampf für einen Zirkus OHNE Tiere geht weiter!

Auch Drohungen und Handgreiflichkeiten halten uns nicht ab, unsere Stimme zu erheben, für die Geknechteten, für die Ausgebeuteten, für die Stimmlosen – für die Tiere im Zirkus! Denn artgerecht ist nur die Freiheit! Zirkus JA, aber OHNE Tiere! #CircusOHNE

Alles zum Thema Tierzirkus findet ihr auf: www.circus-ohne.de

Schließt euch uns an im Kampf für Tiere & ihre Rechte!

Unser herzlicher Dank gilt all unseren Aktiven aus Bremen vor Ort, die mutig jeglichen Anfeindungen trotzten und die Mahnwache durchzogen – Regina, Ocho, Frank, Lena, Svenja, Peter,Sascha sowie allen anderen und v.a. den Verletzten unter ihnen! Gute Besserung!  Auch bei den Polizeibeamt_innen möchten wir uns abermals bedanken!



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