Zoo Hellabrunn: Braunbär Olga ist tot – 41 Jahre Leben in Gefangenschaft

Die 1976 geborene Braunbärendame Olga lebte seit 1977, also fast ihre gesamte Existenz, im Münchner Tierpark Hellabrunn. Ihr langjähriger Gefährte Boris verstarb bereits 2009 – seitdem fristete sie ihr Dasein allein. Laut der Sprecherin des Zoos Hellabrunn, Lisa Reininger, sei es Olga in der letzten Zeit “ihrem Alter entsprechend gut” gegangen. Nach einem Schwächeanfall und Lähmungserscheinungen wurde beschlossen, Olga einzuschläfern. Zukünftig sollen im Zoo Hellabrunn keine Braunbären mehr “gehalten” werden. Stattdessen wird das jetzt leerstehende Gehege im Rahmen der Umbauarbeiten zum Löwengehege umfunktioniert, sodass diese über mehr Platz verfügen.

41 Jahre in Gefangenschaft – ein Grund zur Selbstbeweihräucherung?

In den zugehörigen Zeitungsartikeln wird immerzu betont, dass Olga einer der ältesten Braunbären weltweit geworden sei. Doch ist es tatsächlich wünschenswert eine lange, aber trostlose Existenz zu führen? In freier Wildbahn leben Braunbären, abhängig vom Nahrungsangebot, in Revieren zwischen 100 Quadratkilometern und 1.000 Quadratkilometern Größe. In Anbetracht der Tatsache, dass die Gesamtfläche des Tierparks Hellabrunn 40 Hektar, also 0,4 Quadratkilometer beträgt, wird deutlich: Ein “artgerechtes” Leben im Zoo ist nicht möglich. Abnorme Verhaltensweisen und daraus resultierendes Leid, sind unmittelbare, unvermeidbare Folgen.

Was sollte die Zukunft bringen?

Derzeit scheint das vermeintliche “Weltverbesserer”-Image der Zoos die Bevölkerung die breite Bevölkerung zu begeistern. So sehr, dass die Besucher_innenzahlen in den vergangenen Jahren erschreckend gestiegen sind. Zwischen 2006 und 2017 war ein Zuwachs von 3,4 auf 4,9 Millionen im Berliner Zoo zu verzeichnen. In Leipzig sind die Zahlen seit 1997 sogar auf über das Doppelte gestiegen: von 678.000 auf 1,7 Millionen (obwohl die Statistiken der Zoos berechtigt in Zweifel gezogen werden können). Der Zoo als weltverbessernde Institution ist nur leider nicht mehr als ein Trugbild – Verhaltensstörungen und absurde Nachzuchtprogramme verzerren das Bild von “Bildung” und “Artenschutz”. Um die Zurschaustellung und Gefangenschaft von “Zoo”tieren langfristig aufgeben zu können, müssen Nachzuchtprogramme eingestellt, Gelder und Bemühungen in nachhaltigen Artenschutz vor Ort im Lebensraum der Tiere investiert werden. Auch wenn die “Wildtierhaltung” nicht von heute auf morgen abgeschafft werden kann, können langfristig angelegte Projekte eine Zukunft ohne Gefangenschaft gewährleisten. Dennoch strebt mensch immer noch danach, Zoos zu erhalten und zu “verbessern” – alles aus Gier nach Profitmaximierung und Schaulust! Tiere sind keine Objekte, die unserer Unterhaltung dienen! Denn Zoos sind Tiergefängnisse, in denen Tiere ihr Leben lang eingesperrt werden. Echter Tier- und Artenschutz schützt Tiere um ihrer selbst willen in ihrem natürlichen Lebensraum, nicht zu Unterhaltungszwecken des Menschen.



Laura

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"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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